04.09.2017

Beim 3. Düsseldorfer Hörtag klären Experten über Hörverlust auf

Viele Hörgeschädigte wissen oft nicht, dass sie unter den Folgen von Hörverlust leiden und sind mit dem Umgang überfordert. Einschätzungen von Experten und Tipps für erste Schritte und mögliche Behandlungsmöglichkeiten sind dann sehr hilfreich. Das Hörzentrum der Universitätsklink Düsseldorf bietet hierfür beim 3. Düsseldorfer Hörtag am 9. September ein umfassendes Programm.

 

Etwa 50.000 Düsseldorfer sind von den Folgen von Hörschädigungen betroffen, rund 1.800 davon sind gänzlich ertaubt. Diese Zahlen für 2016 hat der deutsche Schwerhörigenbund bekannt gegeben. Prof. Dr. Thomas Klenzner, Leiter des Hörzentrums am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), hält diese Zahlen für realistisch. „Eine Hörstörung kann die Lebensqualität in allen Lebensbereichen enorm einschränken und auch zu einem sozialen Rückzug der Betroffenen führen.“

Das macht es so wichtig, über das Thema Schwerhörigkeit und Möglichkeiten der Behandlung aufzuklären und Betroffenen eine Anlaufstelle für Informationen zu geben, wie es etwa die Initiative Beat-the-Silence tut.

 

Auch vor Ort Termine, an denen sich Betroffene persönlich informieren können, sind dabei zentral. Am 9. September lädt darum das Hörzentrum zum Hörtag in das Haus der Universität am Schadowplatz 14 in Düsseldorf ein. Das Hörzentrum ist eine Einrichtung der HNO-Klinik am Uniklinikum.

 

Wie wichtig diese Termine sind, sieht auch der Düsseldorfer Experte: „Daher wollen wir am 9. September nicht nur über Behandlungsoptionen und die neuesten Entwicklungen bei implantierbaren Hörsystemen informieren. Auch Betroffene werden von ihren Alltagserfahrungen berichten.“ Neben den medizinischen Fakten, ist es nämlich sehr hilfreich persönliche Erfahrungen von Betroffenen zu bekommen, und Fragen an die Menschen richten zu können, die sich bereits für eine Behandlung und damit einen neuen Lebensabschnitt entschieden haben.

 

Beim Hörtag werden alle Vorträge sowie Interviews zum Mitlesen auf Leinwände übertragen. Für schwerhörige Besucher steht kostenlos kommunikationsunterstützende Technik bereit. Im Haus der Universität sind zudem kostenlose Hörtests möglich. Der 3. Hörtag des Uniklinik-Zentrums beginnt um 10.30 Uhr im Haus der Universität und dauert bis 14.30 Uhr.

 

Die verschiedenen Experten des Hörzentrums der Uniklinik Düsseldorf, die aus Medizinern, Logopäden, Audiologen und auch Pädagogen bestehen, arbeiten daran von Hörverlust Betroffenen bestmöglich zu helfen und Unterstützung in allen Bereichen anzubieten. Die jüngsten Patienten sind Neugeborene, die ältesten Patienten weit über 80 Jahre alt. „Das Alter unserer Patienten spielt keine Rolle.

Wichtig ist es uns, zu schauen, was für den Patienten nötig und wichtig ist. Das reicht von der Hörgeräteversorgung bis hin zum Einsatz von Innenohrprothesen, den sogenannten Cochlea Implantaten“, so Klenzner. Rund 80 Patienten erhalten jährlich ein Cochlea Implantat in der Düsseldorfer Uniklinik.

 

Kontakt:

Universitätsklinikum Düsseldorf

Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Hörzentrum Düsseldorf

Gebäude 13.76 / 1. Etage

hno-hoerzentrum@med.uni-duesseldorf.de

www.uniklinik-duesseldorf.de/hno-klinik

Tel. 0211 / 81-17576

 

Termin:

Düsseldorfer Hörtag des UKD-Hörzentrums am 9. September, 10.30 bis 14.30 Uhr

Haus der Universität, Schadowplatz 14

Stefan Dreising

10.01.2017

ZUWACHS FÜR DIE H(EAR)SPOTS: ÜBER 2.000 ADRESSEN FÜR NUTZER VON HÖRLÖSUNGEN

Initiative beat the silence erweitert Datenbank für induktive Höranlagen

 

Nach dem erfolgreichen Start der ersten Suchmaschine für induktive Höranlagen im deutschsprachigen Raum vor einem Jahr hat die Initiative beat the silence die Datenbank nun um 600 neue Einträge erweitert. Die Suchmaske auf der Webseite www.beat-the.silence.org eröffnet ab sofort den Zugriff auf weit mehr als 2.000 Adressen von Veranstaltungsorten, öffentlichen Einrichtungen und Einzelhändlern in Österreich und Deutschland, die mit einer Induktionsschleife ausgestattet sind – diese Technologie erleichtert Nutzern von Hörlösungen das Zuhören ganz wesentlich.


Das Gespräch am Bankschalter, die Bestellung an der Wursttheke, die Beratung beim Arzt - viele alltägliche Situationen stellen Träger von Hörgeräten oder Hörimplantaten vor eine Herausforderung. Unzählige Einrichtungen in Deutschland und Österreich gehen mittlerweile auf die Bedürfnisse von Menschen mit Hörverlust ein und haben in ihren Räumen Induktionsschleifen verlegen lassen. Die Suchmaschine „H(ear)spots“ auf der Webseite www.beat-the-silence.org gibt schnell und einfach Auskunft, wo im Umkreis sich Orte mit einer solchen induktiven Höranlage befinden.

 

     

H(ear)spots-Suchbeispiel für Hamburg (links) und Salzburg (rechts)


Insbesondere große Veranstaltungsorte haben häufig eine Raumakustik, die sich negativ auf die Verständlichkeit von Sprache oder Musik auswirken kann. Der Verstärker einer Induktionsanlage sendet Sprache oder Musik an eine Kabelschleife, die ein elektromagnetisches Feld erzeugt. Audioprozessoren von Hörgeräten oder Hörimplantaten, die über eine Induktionsspule verfügen, können das elektromagnetische Wechselfeld aufnehmen und die Signale im Audioprozessor umwandeln. Auf diese Weise werden äußere Störgeräusche minimiert.


Zu den mehr als 2.000 österreichischen und deutschen Adressen, die in der Suchmaschine „H(ear)spots“ auf www.beat-the-silence.org geführt sind, gehören zum Beispiel Drogerien, Supermärkte, Banken, Arztpraxen, Kirchen, Konzertsäle, Hörgeräteakustiker, U-Bahnhöfe oder Universitäten. Nutzer der „H(ear)spots“ können zudem eigene Orte mit Induktionsschleifen vorschlagen, sollte ein Eintrag noch nicht vorhanden sein.

 

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05.09.2016

INITIATIVE „BEAT THE SILENCE“ LÄDT ZUM AUSTAUSCH

Cochleaimplantat-Träger aus dem deutschsprachigen Raum treffen sich in München

 

Am 25. und 26. August trafen sich Cochleaimplantat-Träger aus Deutschland und Österreich auf Einladung der Initiative „beat the silence“ in München. Acht Botschafter der Initiative – fünf aus Deutschland und drei aus Österreich – folgten der Einladung und verbrachten zwei Tage bei bestem Sommerwetter inmitten Münchner Sehenswürdigkeiten. Dabei standen nicht nur die zahlreichen Aktivitäten im Vordergrund, sondern vor allem der gegenseitige Austausch zwischen Botschaftern und der Initiative.


Es ist ein heißer Donnerstag, an dem die Botschafter der Initiative „beat the silence“ in München eintreffen. Acht von ihnen, darunter fünf Deutsche und drei Österreicher, sind extra nach München gekommen, um das alljährliche Botschafter-Sommerevent zu feiern, das die Initiative ins Leben gerufen hat. Es ist nicht nur eine Dankesgeste für ihr großes Engagement in der Initiative und für andere Betroffene, sondern vor allem eine Möglichkeit für den Austausch zwischen Cochleaimplantat-Trägern und der Initiative. Gemeinsames Ziel ist es, über das Thema Hörverlust zu informieren und aufzuklären und den Hörverlust als Barriere für die Kommunikation zu überwinden. Alle Botschafter, die Ende August in München zusammen kommen, haben ein Gehörimplantat und engagieren sich bereits seit Jahren in der Initiative. „’beat the silence’ bedeutet für mich, sich nicht zu verstecken oder sich in die Stille zurückzuziehen. Es gibt Hilfe und Lösungen, um ein Leben in Stille und der oft damit verbundenen Einsamkeit zu vermeiden“, sagt Andreas Raderer aus Loosdorf, Österreich, der 2013 erst sein rechtes Ohr und im darauffolgenden Jahr auch sein linkes Ohr implantieren lies.

 

Botschafter Nicolas Seils, Torsten Schubert, Michael Kalinowsky und Lutz Rocktäschel (v.l.n.r.)
(Foto: Initiative beat the silence)


Vom grünen Rasen der Allianz Arena zur spannenden Technik im Deutsches Museum
Los geht es am Donnerstag mit dem Besuch der Allianz Arena, durch die ein kompetenter Mitarbeiter der Arena führt und dabei aus dem Nähkästchen plaudert. Es ist der Tag vor dem ersten Spieltag der neuen Bundesligasaison, weshalb es ein ganz besonderes Gefühl ist durch die Heiligen Hallen der beiden großen Münchner Fußballvereine zu wandern. Überall sind noch kleine Baustellen, sodass alles rechtzeitig für den ersten Spieltag fertig wird. Bereits hier stoßen die Gehörimplantate der Botschafter auf Interesse, denn der Arena-Führer bemerkt sie natürlich und fragt gleich nach, ob er auch laut genug spricht. Eine Situation, die die Botschafter gut kennen und mit der sie routiniert umgehen – „Alles perfekt, wir verstehen Sie gut!“, erwidert einer der Botschafter. Der elfjährige Nicolas Seils aus Gauting bei München, der ebenfalls an beiden Ohren ein CI trägt, erinnert sich an die Stadion-Atmosphäre als er das letzte Mal hier bei einem Spiel war – ein unvergleichliches (Hör-)Erlebnis.

 

Die Botschafter auf dem Viktualienmarkt
(Foto: Initiative beat the silence)


Am Abend geht es dann typisch bayrisch-traditionell in ein Wirtshaus, wo bei deftigem Essen der erste Tag ausklingt. Am nächsten Tag steht der Besuch des Münchner MED-EL Care Center auf dem Plan, wo die Botschafter über Neuheiten und nützliches Zubehör informiert werden und ihre Fragen zu ihrem Implantat kompetent beantwortet werden können. Nach einer kurzen Mittagspause geht es frisch gestärkt ins Deutsche Museum, dem letzten Programmpunkt auf der Agenda des Botschafter-Treffens. Ein Museumsführer erklärt auch hier die verschiedenen Ausstellungen und Bereiche. Hier stoßen die Botschafter der Initiative auf technische Errungenschaften, die sie von der persönlichen Bedeutung nicht selten an ihr Implantat erinnern. Gäbe es ohne die Dampfmaschine keinen Eisenbahnverkehr, könnten die Botschafter ohne ihr Cochleaimplantat nicht hören. Entsprechend beeindruckt sind die Botschafter von der Größe und der vielen(original) Exponate im Deutschen Museum. Am Ende des Besuchs haben nicht nur die Botschafter viel über Technik gelernt, sondern auch der Museumsführer. Ihm war ein Gehörimplantat bis dato unbekannt, er wusste nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt.

 

 

bts-Botschafter aus Deutschland und Österreich
(Foto: Initiative beat the silence)


Augen und Ohren für Betroffene öffnen
Es sind genau jene Momente, die der Initiative zeigen, wie wichtig ihre Arbeit ist, um eine noch größere Aufmerksamkeit für das Thema und Lösungsansätze zu schaffen. Das ist der Grund weshalb sie an diesen beiden Hochsommertagen im August in München zusammen kommen und sich nicht nur untereinander, sondern auch mit Außenstehenden, Normalhörenden, austauschen. Sie sind sich sicher, dass jeder jemanden kennt, der direkt oder indirekt vom Thema betroffen ist. „Die aktive Auseinandersetzung mit der Problematik und die ‚Rückeroberung’ des akustischen Anteils des Lebens, das bedeutet für mich ’beat the silence’“, erklärt Michael Kalinowsky aus Frankfurt am Main, der bilateral implantiert ist. Diesem Ziel sind die Botschafter und die Initiative an diesen beiden Tagen einen weiteren Schritt näher gekommen – alle sind sehr zufrieden mit dem Treffen und reisen mit neuen Ideen, Infos Anregungen in ihre Heimat zurück. Im nächsten Jahr kommen sie wieder alle zusammen. Dann in Österreich.

 

 

Botschafter Andreas Raderer mit dem Modell eines Gehörimplantats
(Foto: Initiative beat the silence)


beat the silence – der Stille entgegentreten
Die Initiative beat the silence möchte Hörverlust als Barriere für Kommunikation überwinden und Hilfe anbieten. Auf den verschiedenen Kanälen der Initiative können sich Betroffene und deren Angehörige über das Thema Hörverlust informieren und austauschen. Das Herzstück der Initiative bildet die Website www.beat-the-silence.org. Dank einer klaren und einfachen Navigationsstruktur werden die Besucher über verschiedene Menüpunkte zu unterschiedlichsten Themen im Zusammenhang mit dem Wert guten Hörens aufgeklärt. Neben der Website kommuniziert die Initiative beat the silence vor allem über ihren Facebook- und Twitter-Account sowie den eigenen YouTube-Channel. Unterstützt wird beat the silence u.a. vom Hörimplantathersteller MED-EL.

 

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Verwendung unter Quellenangabe honorarfrei.

10.08.2016

VON CANYONING BIS RADRENNEN

Der Sportsommer der Cochleaimplantat-Träger

 

Wenn am 13. August in Belgien die Radsport-Europameisterschaft der Gehörlosen beginnt, dann ist Isabelle Boberg mit dabei. Die 27-jährige Profisportlerin zeigt eindrucksvoll, welche Höchstleistungen auch ohne funktionierenden Hörsinn möglich sind. Genau so wie der ambitionierte Wildwasserfahrer und Canyongeher Wolfgang Fischer. Die beiden deutschen Sportler sind taub und hören über sogenannte Cochleaimplantate. Während der EM-Rennen muss Isabelle Boberg die Prozessoren der hochentwickelten Hörimplantate abnehmen – doch beim Training und den normalen Wettkämpfen sind sie immer mit dabei. Und auch Wolfgang Fischer begleiten seine Cochleaimplantate beim Klettern inmitten der tosenden Wassermassen.


Isabelle Boberg ist amtierende deutsche Radsport-Meisterin – im Juni bei den Gehörlosen-Meisterschaften in Dortmund war sie Schnellste im Straßenfahren über 40 Kilometer. Bei den Deaflympics 2013, den Gehörlosen-Weltspielen, gewann sie für Deutschland drei Silbermedaillen. Radfahren ist für sie Leiden und Leidenschaft zugleich, sagt sie. „Man muss in der Lage sein, sich unglaublich hart zu quälen, erlebt dabei aber auch traumhafte Momente.“

 

Isabelle Boberg mit ihren EM-Medaillen (Foto: Michael Pruckner)

 

Die heute 27-jährige hat es mit dem Sport von jeher ernst gemeint. Sie wollte immer Bundesliga-Niveau erreichen und nicht einfach nur Durchschnitt sein. Mit Fußball fing es an. Als sie merkte, dass ihr Talent im Feldhockey liegt, wechselte sie die Sportart. Isabelle Boberg war 13 Jahre alt als sie von der Schule in ihrer Heimatstadt Schweinfurt auf das Internat in München wechselte – ab der siebten Klasse ging sie auf die Samuel-Heinicke Realschule im Stadtteil Nymphenburg. „Ich gebe es zu, ich wollte in erster Linie wegen des tollen Hockey-Trainers dort hin“, lacht Boberg.


Doch es gab noch einen anderen Grund: An der Schule speziell für Schwerhörige konnte sie dem Unterricht wieder folgen. An der vorherigen Regelschule hatte sie Schwierigkeiten mit dem Frontalunterricht und dem Geräuschpegel im Klassenzimmer. Denn Isabelle Boberg ist fast taub. Von Geburt an. In den ersten Jahren fiel das kaum auf bis ihr Onkel eines Tages die Probe aufs Exempel machte. „ Mir wird immer erzählt, dass er sich hinter mich stellte, so dass ich ihn auf keinen Fall sehen konnte. Und dann hat er einen Teller mit lautem Krachen fallen lassen.“ Das kleine Mädchen zuckte bei dem Lärm nicht einmal mit der Wimper und schnell war klar: Isabelle hört so gut wie nichts – sie hatte ein nur sehr geringes Restgehör von 10 Prozent. Bis zum Erwachsenenalter trug Isabelle Boberg Hörgeräte und war getrieben vom sportlichen Ehrgeiz. Sie schaffte es in die 1. und 2. Feldhockey-Bundesliga, stand im Tor und genoss die Erfolge.

 

Statement auf Isabelles Oberarm: "My Ride, My Fight, My Life"


Sie war 18 Jahre alt als ihr ohnehin stark eingeschränktes Gehör noch schlechter wurde. Also entschied sie sich für ein Cochleaimplantat, das ihr an der Universitätsklinik Würzburg eingesetzt wurde. Auf der implantierten Seite konnte sie nun besser hören als je zuvor – sie hörte die Vögel zwitschern und war erstmals in der Lage, zu telefonieren.


Vom Hockeyfeld auf die Straße


Isabelle Boberg kam recht spät und eher zufällig zum Profi-Radsport. Schon länger nutzte sie das Rennrad für ihr Training. Als sie dann in einem Fahrradgeschäft eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau begann, machte sie gleich Nägel mit Köpfen: Sie verabschiedete sich vom Hockey – und endgültig auch vom Hörgerät. Nach den guten Erfahrungen mit dem Cochleaimplantat, ließ sie sich auch auf der anderen Seite implantieren und hatte endlich auch ein räumliches Hörvermögen. Einem strengen Jahrestrainingsplan folgend kämpfte sie sich bis an die Spitze – mit dem Rückhalt ihrer Kollegen und Vorgesetzten: Sie trainiert vor und nach der Arbeit, nimmt sich Urlaub für die Wettkämpfe. Und nach der Trainingspause jedes Jahr im November greift sie wieder neu an, um für die Wettkämpfe im Frühjahr fit zu sein. „Die gehörlose Welt ist eine sehr soziale, eng-vernetzte Welt“, so Boberg. „Die hörende Welt empfinde ich als wesentlich leistungsorientierter.“ Das sagt die Frau, für die Leistungssport schon von Kindesbeinen immer alles war. Und sie zeigt damit, was sich alles erreichen lässt, auch wenn man nicht hört.


Inmitten tosender Wassermassen


Wolfgang Fischer ist begeisterter Wildwasserfahrer und Canyongeher. Auch er ist gehörlos und trägt anders als Isabelle Boberg bei der EM selbst während des Sports die Prozessoren seiner Cochleaimplantate. „Eines der schönsten Geräusche, das mir meine Implantate wieder zu hören erlauben, ist das Rauschen von Wasser. Ganz besonders wenn es über Stromschnellen oder Wasserfälle in Schluchten und Klammen strömt“, schwärmt er. Canyoning ist Bergsport im Wasser – also eine Sportart, bei der man, dem Lauf des Wassers folgend, eine Schlucht oder Klamm begeht, in der außer ein paar Abseilhaken keinerlei Hilfsmittel vorhanden sind. Man bewegt sich dort wandernd, kletternd, springend, schwimmend oder an hohen Wasserfällen abseilend, je nach Gelände.

 

Wolfgang Fischer beim Canyoning (Fotos: Hubert Schedler)


Ein anstrengender, fordernder Sport, der aus Sicherheitsgründen nur in einer Gruppe ausgeübt werden darf. Dank seiner Implantate kann Wolfgang mit den anderen Sportlern kommunizieren – eine Grundvoraussetzung für das Canyoning. Der hinter dem Ohr getragene Prozessor, der magnetisch am Implantat unter der Kopfhaut haftet, ist nur mit dem richtigen Zubehör wasserdicht. So ausgestattet war Wolfgang im September letzten Jahres bei einem internationalen Canyoning-Treffen auf den Azoren – einem wahren Eldorado für Schluchtengeher. 
Da beim Springen und Abseilen im Wasserfall auch größere Kräfte auf den Prozessor einwirken können, hat er ihn zusätzlich gesichert. „Aus einem Stück dünner Reepschnur habe ich ein Halsband angefertigt und von dort mit einem weiteren Stück Schnur den Prozessor festgebunden“, sagt er. „Mir ist es auch tatsächlich mehrfach passiert, dass mir ein scharfer Wasserstrahl den Prozessor weggespült hat, obwohl der Helm die Spule noch zusätzlich festgehalten hatte. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich ihn jedoch wieder eingefangen und befestigt.“

 


Die Canyoning-Erlebnisse auf São Jorge, einer der zentralen Inseln der Azoren-Gruppe, sind für Wolfgang Fischer unvergesslich. Durch den vulkanischen Ursprung der erdgeschichtlich jungen Inseln finden sich dort spektakuläre Felsformationen aus Vulkangestein. Die Schluchten sind von üppiger Vegetation eingerahmt. Die Schluchten sind sehr steil mit Wasserfällen bis zu 60 Meter Höhe. „Nach diesen Erlebnissen habe ich mir vorgenommen, auch bald wieder mit dem Wildwasserfahren anzufangen.“


Isabelle Boberg und Wolfgang Fischer – zwei Menschen, die ganz eng mit ihrem Sport verbunden sind. Und mit ihren Cochleaimplantaten, die ihnen die Kommunikation mit Trainern und Team-Mitgliedern ermöglichen und eine Welt mit akustischen Eindrücken eröffnen. Wer die Erfolge von Isabelle Boberg bei der Radsport-Europameisterschaft der Gehörlosen in Belgien verfolgen will, findet die jeweils aktuellen Ergebnisse auf der Veranstaltungswebsite www.ecdeafcycling2016.be

 

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01.06.2016

DIE EM HÖREN: BEGEISTERTE STADION-STIMMUNG STATT GEHÖRLOSER STILLE

beat the silence portraitiert elf fußballbegeisterte Cochleaimplantat-Träger aus drei Ländern


Europa steht ein heißer Fußballsommer bevor: Millionen Fans gleich welcher Nation werden ihre Mannschaften leidenschaftlich anfeuern, mit ihnen mitfiebern und mitleiden. Unter ihnen sind auch der sechsjährige Antonio aus der Schweiz, der 13 Jahre alte Marcel aus Deutschland und die Zwillingsbrüder Alexander und Matthias (16) aus Österreich. Neben der Begeisterung für den Fußball haben die vier noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind gehörlos und tragen Cochleaimplantate. Dank dieser hochentwickelten Hörimplantate können sie die EM auch akustisch genau so erleben wie alle anderen Fans. Für die Initiative beat the silence schildern insgesamt elf Cochleaimplantat-Träger aus dem deutschsprachigen Raum ihre Eindrücke im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft. Das Motto dieses einmaligen Projekts: Die EM hören!


Ausgelassene Stimmung bei den Public Viewings, Fangesänge in den Stadien, Siegesjubel und Hupkonzerte in den Straßen – die Fußball-Europameisterschaft wird auch in diesem Jahr begleitet von vielfältigen Höreindrücken. Wie wäre es wohl, wenn bei all dem der Ton fehlen würde? Kein sich überschlagender Kommentator, kein „Football’s coming home“ in voller Lautstärke und nicht einmal der erlösende Schlusspfiff, der euphorische Beifallsstürme auslöst – stattdessen nur Stille. Elf gehörlose Fußballfans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wissen ganz genau, wie sich das anfühlt. Und sie sind heilfroh, dass sie durch die Technologie ihrer Cochleaimplantate trotzdem hören und mit allen anderen Fans mitfeiern können.


Österreich: Alexander und Matthias (16)

 



“You will never walk alone” ist der Lieblings-Fußballsong der 16-jährigen Zwillinge Alexander und Matthias aus Karlstetten in Niederösterreich. Dahinter könnte man auch das Lebensmotto der Brüder aus St. Pölten vermuten. Die beiden sind leidenschaftliche Fußballfans und spielen im Fußballverein des TSU Hafnerbach in der U16-Mannschaft – natürlich zusammen in einer Mannschaft. Dass Alexander und Matthias zu zwei so normalen Jugendlichen heranwachsen, war bei ihrer Geburt alles andere als sicher. Sie wurden taub geboren und konnten nicht hören. Ihre Eltern handelten schnell und hatten die richtigen Mediziner an ihrer Seite: Bereits im Alter von 15 Monaten wurden die Zwillingsbrüder einseitig mit einem Cochleaimplantat versorgt. Ein paar Jahre später erhielten Matthias und Alexander dann ihr zweites Implantat – die optimale Lösung, denn erst die bilaterale Implantation ermöglicht das räumliche Hören. Und das ist wichtig auf dem Fußballplatz. Heute spielen die beiden gemeinsam mit Hörenden im Fußballverein und kommen dabei bestens zurecht.

Schweiz: Antonio (6)

 


Auch der sechs Jahre alte Antonio aus Bern wäre ohne seine Hörimplantate heute wohl kaum ein so fröhliches Kindergartenkind, denn der kleine Schweizer ist ebenfalls fast vollständig gehörlos. Schnell lernte er mit seinen Cochleaimplantaten das Hören, konnte Geräusche zuordnen, Stimmen wahrnehmen und Worte verstehen. Antonio spielt seit zwei Jahren Fußball im Verein und sammelt im Moment eifrig Panini-Bilder. Dass er so viele EM-Spiele wie möglich ansehen wird, ist für ihn und seine Eltern völlig klar.


Deutschland: Marcel (13)

 



Und der 13-jährige Marcel aus Remstal in Baden-Württemberg hat am letzten Wochenende Paris noch einen spontanen Kurzbesuch abgestattet – inklusive Erinnerungsfoto vor dem Eiffelturm im Deutschland-Trikot. Er wollte sichergehen, dass dort alles bereit ist für das EM-Eröffnungsspiel am 10.Juni. Auch Marcel kann die Stimmung im Stadion nur dank der Hörimplantat-Technologie so richtig genießen. Nach einem Unfall hatte er das Gehör auf der linken Seite verloren – aber wenn heute „sein“ VfB Stuttgart spielt, dann ist er mit beiden Ohren wieder voll dabei.


Antonio, Marcel, Alexander und Matthias tragen Cochleaimplantate – diese Systeme wurden für Menschen mit schwerer bis völliger Innenohrschwerhörigkeit entwickelt. Sie stimulieren mittels elektrischer Impulse direkt die Nervenfasern der Gehörschnecke (Cochlea). Der Hörnerv übermittelt diese Signale dann an das Gehirn, wo sie als akustische Ereignisse wahrgenommen werden. Das Cochleaimplantat stellt somit erstmalig den Ersatz eines menschlichen Sinnesorganes dar.

 

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02.05.2016

LOU BEGA: DER TINNITUS WAR WICHTIG FÜR MICH

Wie ein Pfeifen im Kopf das Leben verändern kann

In Deutschland leiden mehr als elf Millionen Menschen unter Tinnitus1 – permanent haben sie ein Klingeln, Rauschen, Brummen oder Pochen im Ohr. Bei Lou Bega war es eine Mischung aus Pfeifen und Piepsen. Der Tinnitus ließ den Latin-Pop-Sänger nicht schlafen und nicht mehr klar denken. Gegenüber der Initiative beat the silence zeigt er sich nachdenklich: „Wir halten uns für allmächtig, fühlen uns wie Superhelden. Wir laufen durch den Tag und können alles, sind alles. Das Quietschen im Ohr will uns sagen: Hört zu! Was stimmt in Eurem Leben nicht?“ Ein Gespräch über Tinnitus als Warnsignal des Körpers – und wie man darauf reagieren kann.

 

Foto: AME.MEDIA

 

Als das Fiepen im Ohr von Lou Bega beginnt, ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. In den Jahren 1999 und 2000 sind seine Hits wie „Mambo No. 5“ oder „I got a girl“ international in den Charts, er erhält den ECHO in zwei Kategorien, wird in Cannes mit dem World Music Award ausgezeichnet und ist für den Grammy nominiert. Der damals 24jährige reist um die Welt von einem Auftritt zum nächsten, steht auf den großen Bühnen, schläft zu wenig, ernährt sich ungesund und kommt nicht zur Ruhe. „Am Abend kam dann irgendwann immer dieser fiese, hohe Ton“, erinnert er sich. „Dieser Ton, der am Anfang fast nicht zu hören ist und dann immer präsenter wird. Er bohrt sich in deinen Schädel, er verdrängt die guten Gedanken – und er macht dir auch ein bisschen Angst.“ Lou Bega schaudert. „Alleine das Zurückdenken tut weh“, sagt er.


Die Suche nach der Ursache


Nach den zwei intensivsten Jahren seiner Karriere leidet Lou Bega also an Tinnitus. Nur warum? „Eine hohe Umgebungslautstärke ist der Hauptauslöser für Tinnitus“, weiß Prof. Dr. med. Birgit Mazurek aus ihrer täglichen Praxis. Sie ist Direktorin des Tinnituszentrums an der Charité in Berlin. Häufig geht den unangenehmen Ohrgeräuschen ein Lärm- oder Knalltrauma voraus, das die inneren und äußeren Haarzellen in der Hörschnecke dauerhaft beeinträchtigt. „Eine Band erreicht bei Open Air Konzerten leicht eine Lautstärke von 100 Dezibel und mehr“, so Mazurek. Alleine das schädige die Hörzellen. Je nachdem ob die Musiker direkt vor den Boxen stehen und der Schall direkt auf das Ohr pralle, könne das schon innerhalb weniger Stunden passieren. „Jeder Bauarbeiter trägt einen Hörschutz. Nur Musiker nicht. Weil es nicht cool ist“, bestätigt Lou Bega. „Dabei sollte jeder, der viel mit Lautstärke zu tun hat, besonders gut auf sein Gehör acht geben“, mahnt er.

Die Ursachen für die Symptome von Tinnitus sind vielfältig und wollen durch einen HNO-Spezialisten, Neurologen oder Internisten medizinisch untersucht werden, um eine physische Ursache auszuschließen. Doch zum Arzt geht Lou Bega damals nicht. Er hat eine andere Theorie: „Ich habe beobachtet, wann es kommt, wann es weggeht. Und es kam immer dann, wenn ich Dinge gemacht habe, die mir persönlich nicht entsprochen haben oder die ich nicht gerne gemacht habe.“ Auch Experten sehen heute einen Zusammenhang zwischen Tinnitus und einer starken psychischen Belastung. Ganz gleich ob in der Familie, in der Schule, im Beruf – oder auf der internationalen Bühne.

 

Foto: AME.MEDIA


Ein radikaler Schritt


Lou Bega stellt sein Leben um. Er gönnt sich eine Pause. Und stößt damit nicht überall auf Verständnis. „Von außen denkt man nur: Der reist durch die Welt, hat viel Geld, Autos und Frauen – eine Zeit lang genießt man das natürlich. Aber ich hab gemerkt: Dieses Höllentempo will ich so nicht gehen. Ich war einfach nicht glücklich.“ Er sagt Auftritte ab, verbringt viel Zeit in seiner Geburtsstadt München und lässt die Zeit Revue passieren: „Ich war weg von meiner Familie, weg von meinen Freunden. Ich war der Mensch, der immer nur im Flieger sitzt. Jeder muss sein eigenes Tempo finden“, sagt Lou. Und seines ist deutlich niedriger. Schließlich kümmert er sich um sich selbst, kommt wieder zur Ruhe. Doch er liebt seine Arbeit und hört deshalb nie ganz auf damit. In der folgenden Zeit macht er weiterhin dasselbe wie bisher, nur eben weniger davon. Mit Erfolg: Der Ton in seinem Ohr verschwindet und kehrt bis heute nicht zurück.


„Tinnitus ohne einen damit einhergehenden Hörverlust kann neben Lärm auch häufig Stress als Ursache haben“, sagt Birgit Mazurek. „Wenn die Menschen auf eine ausgewogene Work-Life-Balance achten, Entspannungsverfahren anwenden, Ruhezeiten einhalten, dann lässt sich der Tinnitus in vielen Fällen in den Griff bekommen.“ Es gibt noch keine Medikamente, die einen Tinnitus vollständig und langfristig verschwinden lassen. Durchblutungsfördernde Medikamente können beim ersten Auftreten des Tinnitus helfen. Nach mehr als drei Monaten spricht man von chronischem Tinnitus – dann unterstützen Prozesse wie die Tinnitus Retraining Therapie (TRT) oder kognitive Verhaltenstherapie. „Wenn jedoch Lärm der Auslöser für Tinnitus ist, muss man sein Gehör schützen – und das betrifft nicht nur Musiker, sondern beispielsweise auch Fußballspieler. Und ihr Publikum“, so Mazurek weiter. „Das Entscheidende ist, dass man Lärm nicht sieht. Und trotzdem kann Lärm das Ohr nachhaltig schädigen.“


Ein Leben in Ruhe


Lou Bega tut auch heute noch das, was er liebt – nur nicht mehr ganz so intensiv wie früher. Er macht Musik, steht auf der Bühne. Erst im April ist er gemeinsam mit den DJs Felix Jaehn und Robin Schulz vor 75.000 Menschen beim Pa'l Norte Music Festival in Mexiko aufgetreten. Er kommt ins Schwärmen: „Es war verrückt, was für einen schönen Lärm so viele Leute machen können.“ Am 29. April hat Lou Begas neue Single „Hands up for love“ Premiere. Und am 27. Mai kommt die „Best of“ CD mit bislang unveröffentlichtem Material.


Nach vielen Jahren in München lebt Lou jetzt mit seiner Familie in Berlin-Zehlendorf. Seine Frau und seine acht Jahre alte Tochter geben ihm Halt und sorgen für Harmonie in seinem Leben. „Ich glaube, der Tinnitus war wichtig für mich“, sagt er heute. „Er war ein im wahrsten Sinne des Wortes lautes Warnsignal meines Körpers. Wäre das Pfeifen nicht gewesen, hätte ich es wahrscheinlich überhört und nichts an meinem Leben geändert. Wer weiß, wie es mir dann heute ginge.“

 

1 Quelle: Deutsche Tinnitus-Stiftung Charité

 

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01.03.2016

EIN GANZ NORMALER JUNGE

Zum Welttag des Hörens: Ein Besuch bei beat the silence Botschafter Nicolas


Der elfjährige Nicolas aus Gauting bei München wurde taub geboren. Und er kann doch hören – über zwei sogenannte Cochleaimplantate. Für ihn ist das ganz normal, denn seine Eltern haben ihm die Implantate schon im Babyalter einsetzen lassen. Seit fast drei Jahren ist Nicolas Botschafter der Initiative beat the silence, die sich unter anderem für die Früherkennung von Hörproblemen bei Kindern stark macht. Am diesjährigen Welttag des Hörens am 3. März widmet sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Schwerpunktthema „Schwerhörigkeit bei Kindern“. Experten schätzen, dass weltweit 32 Millionen Kinder durch Schwerhörigkeit behindert sind und mahnen dringend zu frühem Handeln. Nur dann stehen die Chancen für eine Behandlung gut. Wie gut, sieht man am Beispiel von Nicolas.


„Ihr Sohn kann nicht hören.“ Als die junge Familie Seils im Jahr 2005 diese Diagnose bekommt, ist der kleine Nicolas noch nicht einmal ein Jahr alt. „Das war ein Schock für uns“, sagt seine Mama Florentine. Eine der beiden Großmütter hat sich damals sofort bei einem Gebärdenkurs angemeldet – für sie stand fest: Nicolas ist und bleibt taub. Doch seine Eltern haben sich damit nicht abgefunden: „Wir wollten ihn nicht in die Welt der Gehörlosen schicken. Denn dorthin hätten wir ihn nicht begleiten können.“ Über das Krankenhaus erfuhren sie von den Möglichkeiten eines Hörimplantats. So bekam Nicolas sein erstes Cochleaimplantat (CI) im Alter von nur 13 Monaten und konnte wie jedes andere Kind ganz normal sprechen lernen. Mit ihrer Entscheidung zu einer Operation ermöglichten ihm seine Eltern eine ganz normale Entwicklung.
„Das war kein einfacher Schritt und natürlich haben wir uns Sorgen gemacht, ob das alles richtig ist“, erinnert sich Florentine Seils. „Aber heute wissen wir: Es war das Beste, was wir tun konnten.“ Nicolas ist ein fröhlicher Junge mit gesundem Selbstbewusstsein. Statt auf Star Wars steht er mehr auf Comedians – Hape Kerkelings „Horst Schlämmer“ hat es ihm angetan. Weil der die Leute hochnimmt und so eine tiefe Stimme hat. Eine Stimme, die Nicolas ohne Cochleaimplantate nie hätte hören können.

 


Ich will klettern!
Nicolas liebt den FC Bayern und würde eigentlich gerne selbst Fußball spielen. „Das wäre genau mein Ding, aber das ist schwierig wegen der CIs. Ich darf halt am Kopf keinen Ball abkriegen“, sagt er. Er ist ein guter Schüler, hat viele Freunde und tut alles das, was Elfjährige eben so tun – auf der Straße kicken, durch den Garten tollen, auf dem Fahrrad die Gegend erkunden und mit dem älteren Bruder raufen. Die  Suche nach dem richtigen Sport ist durch die Prozessoren dennoch ein wenig eingeschränkt: „Fechten hab ich probiert, aber unter der Plastikmaske war es zu heiß für die CIs. Vor allem im Sommer. Ich habe auch fast ein Jahr lang Judo gemacht. Kurz vor der Gürtelprüfung habe ich dann aufgehört – da kamen die ganzen Würfe über die Schulter und es wurde mir zu brutal. Da hätte ich bestimmt die Prozessoren verloren.“
Nicolas achtet sehr gut auf seine CIs. Nicht nur, weil er ohne sie nichts hört, sondern auch weil er weiß, dass die hochentwickelte Technik viel Geld kostet. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten in der Regel – in Deutschland auch Nachfolgekosten wie zum Beispiel Batterien. Eine weitreichende Investition, die jungen Patienten wie Nicolas ein Leben in der Welt der Hörenden ermöglicht. Stolz zeigt er das Stück Hightech hinter den Ohren her. Die Abdeckung seiner CIs ist seit ein paar Wochen grün. „Hab ich mir extra so ausgesucht“, sagt er. „Das sieht cool aus und passt zu meiner Brille.“ Die Bügel seiner Lacoste Fassung sind ein Statement in knalligem Grün.
In den Osterferien wird Nicolas zum ersten Mal zum Bouldern gehen. Der Deutsche Alpenverein bietet in seiner Kletterhalle Kurse für Kinder an. Bis zu 13 Meter geht es dabei in die Höhe. „Wir schauen mal, ob das was für mich ist.“ Nicolas will hoch hinaus und gibt die Suche nach dem geeigneten Sport nicht auf.


Botschafter in der Schule
Seit September letzten Jahres besucht Nicolas die fünfte Klasse des Regelgymnasiums in seinem Wohnort Gauting. „Die Schulleiterin war fantastisch“, sagt Florentine Seils. „Die Hörbehinderung von Nicolas hat für sie keine Rolle gespielt. Sie meinte: ‚Du bist ja bisher auch zur Schule gegangen – also warum sollte das nicht klappen?’ Das ist natürlich ein großartiges Signal, das auch so an das Lehrerkollegium weitergegeben wird.“ Nicolas fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. Er geht gerne dort hin. „Die Lehrer achten darauf, dass die Klasse nicht zu laut ist. Denn dann ist es für mich schwierig, alles zu verstehen“, meint Nicolas. Wird er von anderen Kindern auf seine CIs angesprochen, dann erklärt er sie ihnen geduldig: „Ich sage dann, dass das meine Hörgeräte sind. Wenn ich die nicht hätte, könnte ich dich nicht hören.“
Nicolas spricht von „Hörgeräten“ obwohl seine Implantate viel mehr als das sind. Mit dem Begriff „CI“ können aber immer noch die wenigsten etwas anfangen. Um das zu ändern, hat Nicolas erst vor kurzem ein Referat im Fach „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ gehalten. Das Thema: Hören mit Cochleaimplantat. „Ich habe der Klasse erklärt, wie das Ohr funktioniert. Und wie ein CI Impulse direkt an den Hörnerv weitergibt.“ Ein CI setzt da an, wo Hörgeräte nicht mehr helfen. Es umgeht die Bereiche des Innenohrs, die nicht mehr funktionieren, und stimuliert direkt den Hörnerv. Dabei besteht ein CI System aus zwei Teilen: dem Audioprozessor, der hinter dem Ohr getragen wird, und dem Implantat, das bei einem chirurgischen Eingriff unter der Haut platziert wird.
Nicolas’ Offenheit und die Bereitschaft, über seine Hörschädigung zu sprechen, tragen viel zur Aufklärung seines Umfelds bei. „In den Jahren, die wir uns nun schon mit dem Thema befassen, hat sich viel getan“, denkt Florentine Seils zurück. „Früher waren wir oft die ersten mit einem Kind mit Hörschädigung – im Hort, im Kindergarten, in der Schule. Mittlerweile sind die Menschen deutlich aufgeklärter und gehen endlich selbstverständlicher mit dem Thema Hörbeeinträchtigung um.“

 


Tagsüber sehe und höre ich die Welt
Zum Schlafen nimmt Nicolas die Prozessoren ab. Dann wird es still. Und wenn er nach dem Lesen das Licht ausschaltet, wird es auch noch dunkel. „Das ist manchmal ein bisschen gruselig. Ich höre nichts und sehe fast nichts“, sinniert er. „Dann bekomme ich gar nichts von der Welt mit. Nur das, was in mir passiert. Was ich mir gerade denke. Der Tag ist mir lieber – dann sehe und höre ich die Welt.“ Für Nicolas sind seine CIs das Tor zu einem selbstbestimmten Leben. Die WHO setzt sich dafür ein, dass alle Kinder weltweit dieselbe Chance haben wie Nicolas.
Seit 2009 hat jedes Neugeborene in Deutschland Anspruch auf ein Hörscreening – so können Hörminderungen schon bei Säuglingen erkannt und behandelt werden. Bei Nicolas wurde das Screening damals nicht durchgeführt. Seine Probleme wurden erst vier Monate später entdeckt – gerade noch rechtzeitig, um die richtigen Schritte einzuleiten. „Es braucht immer noch viel Aufklärung an allen Ecken und Enden“, fasst Florentine Seils zusammen. Sie rät Eltern, die in derselben Situation wie sie damals sind, sich zu informieren: „Klären Sie ab, ob ein Implantat bei ihrem Kind anatomisch möglich ist. Und dann machen Sie es. Wir haben den Schritt nie bereut.“

 

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01.02.2016

MIT DEN JECKE ÖHRCHER DURCH DEN KÖLNER KARNEVAL

Ab Weiberfastnacht verwandelt sich Köln genau wie die anderen deutschen Karnevalshochburgen in ein buntes Meer aus Kostümen, Umzugswagen und Kamelle. Ein hoher Lärmpegel gehört ebenso zum Karneval wie der Tusch oder die Mutzen. Doch nicht jeder, der an den zahlreichen Karnevalsumzügen durch die Kölner Innenstadt teilnimmt, kann den frechen Zoten und dem farbenfrohen Getümmel lauschen. Denn in Deutschland leben etwa 80.000 Gehörlose und knapp 16 Millionen Schwerhörige – auch in und um Köln. Für diese Menschen gibt es seit dem Jahr 2014 den Karnevalsverein „Jecke Öhrcher“.

 


„Sinn und Zweck unseres Vereins ist es, Gehörlosen oder hörgeschädigten Menschen den Karneval näherzubringen, an dem sie sonst vielleicht nicht teilnehmen würden“, erklärt Udo Prell, Präsident der Jecke Öhrcher und selbst Vater eines hörbeeinträchtigten Kindes. Im Verein organisieren sich aktuell mehr 150 Mitglieder: normal hörende, schwerhörige, komplett gehörlose und Mitglieder mit Cochlea-Implantat. „Wir sind ein positives Beispiel für Inklusion, denn bei uns sind Hörende und Nicht-Hörende in einem Verein gemeinsam aktiv“, ergänzt Prell. Was sie alle verbindet? Sie wollen nicht nur Karneval feiern, sondern auch Brauchtum wie Sprache und Gesang pflegen und transportieren.

 


Die neunjährige Ella aus Köln feiert im Karneval ganz vorne mit - sie trägt ein Cochlea-Implantat.


„Das Besondere an der Gehörlosigkeit: Man sieht sie nicht.“
Die neunjährige Ella aus Köln-Sürth geht in die dritte Klasse und liebt den Karneval – genauso wie ihre Altersgenossen. Doch sie hört nicht wie andere Kinder. „Bei Ella wurde bereits in der zehnten Lebenswoche eine mittelgradige Hörschädigung festgestellt“, sagt ihre Mutter Andrea Schöpper. „Zunächst haben wir es mit Hörgeräten versucht, dann aber doch entschieden, ihr ein Cochlea Implantat einsetzen zu lassen. Wir wollten ihr das Leben als lautsprachlichem Menschen ermöglichen. Dank des Implantats kann Ella ganz normal hören und kommunizieren.“ Andrea Schöpper ist im Cochlear-Implantat-Zentrum an der Kölner Uniklinik auf die Jecke Öhrcher aufmerksam geworden und engagiert sich ebenfalls im Verein. Beim Karnevalsumzug am Sonntag, den 7. Februar, der durch die gesamte Kölner Innenstadt geht, wird neben ihrer Tochter Ella auch der ganze Rest der Familie vor Ort sein. „Da sind dann alle zusammen“, lacht Schöpper.
Die Jecken verständigen sich untereinander auf ganz unterschiedliche Art und Weise: Während die Mitglieder mit Cochlea-Implantat so gut hören können wie Ella, ist für die Gehörlosen ein Gebärdendolmetscher mit dabei. Andrea Schöpper wünscht sich weniger Berührungsängste mit Hörverlust und einen selbstverständlicheren Umgang mit Hörhilfen. So wie beispielsweise mit einer Brille. „Das große Problem an der Gehörlosigkeit ist – man sieht sie nicht. Deshalb ist es so wichtig, die Umwelt zu integrieren, damit alle etwas offener damit umgehen,“ sagt Schöpper.

Im Karneval sind alle gleich

Dr. Ruth Lang-Roth ist Oberärztin und ärztliche Leitung des Cochlear Implant Centrums an der HNO Klinik am Universitätsklinikum Köln und ebenfalls Mitglied der Jecke Öhrcher. „Ich mochte die Idee, hörende und nicht hörende Menschen im Karneval zusammen zu bringen“, sagt sie. Viele Vereinskollegen sieht sie regelmäßig in ihrer Sprechstunde, denn die meisten Mitglieder, die ein Cochlea-Implantat tragen, wurden am Uniklinikum operiert. Dr. Lang-Roth genießt den intensiven Austausch und die gemeinsamen Unternehmungen in der Freizeit. Denn Karneval beginnt immer schon im Vorjahr: Den ganzen Winter über bereiten sich die Jecke Öhrcher auf den Endspurt in den Wochen vor Aschermittwoch vor – sie treffen sich, um die Kostüme zu nähen, sammeln Ideen für die Gestaltung des Wagens und schmücken ihn gemeinsam kurz vor dem Umzug durch Köln. Beim schon traditionellen Schlittschuhlaufen um die Jahreswende treffen sich die Familien auf der Eisfläche am Heumarkt – vor allem zur Freude der Kinder. „Wir sind gelebte Inklusion“, sagt Prof. Dr. Martin Walger, Leiter der Audiologie und Pädaudiologie des Universitätsklinikums Köln und natürlich auch Vereinsmitglied. „Ob normal hörend, hörgeräteversorgt oder CI-implantiert – bei den Jecke Öhrcher haben alle ihren Spaß.“

 



Gefahr für das Gehör
Durch die zahlreich im Verein vertretenen Mediziner und Experten rund ums Hören sind die Jecke Öhrcher bestens auf die Karnevalsumzüge vorbereitet. Denn bei allem Spaß und aller Freude, die die fünfte Jahreszeit mit sich bringt, ist sie mitunter nicht ganz ungefährlich – vor allem für das Gehör. Der Lärmpegel bei den vielen Umzügen durch die Stadt darf nicht unterschätzt werden, warnen die Ärzte: „Besonders gefährlich sind Impulsschalle, also kurzzeitig hohe Pegel“, so Prof. Walger. „Schon einzelne Ereignisse wie Trillerpfeifen, Trompeten oder ähnliches können ohrnah zu einem Hörschaden führen und beispielsweise lästige Ohrgeräusche (Tinnitus) auslösen – das betrifft nicht nur Kinder, sondern alle Altersklassen.“ Lärmprotektoren wie Ohropax oder Ohrstöpsel helfen, den Lärm effektiv zu minimieren, rät Walger. So lässt sich das bunte Karnevalstreiben ganz unbeschwert genießen.

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09.09.2015

Die Initiative beat the silence wächst weiter: Prof. Prof. h.c. Dr. Thomas Lenarz ist neuer Fachbeirat

Die Initiative beat the silence freut sich sehr, als 12. Fachbeirat den renommierten Mediziner Prof. Prof. h.c. Dr. Thomas Lenarz begrüßen zu dürfen. Der Klinikdirektor der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover mit dem größten internationalen CI-Zentrum unterstützt die Initiative in Zukunft mit seinem umfangreichen medizinischen Knowhow im Bereich der HNO-Medizin. Die verschiedenen Fachbeiräte der Initiative geben auf der Website beat-the-silence.org Einblicke in ihren medizinischen Alltag und schreiben auf dem beat the silence Blog zu unterschiedlichen Themen rund ums Hören. Gemeinsam mit den beat the silence Botschaftern bilden die Fachbeiräte das Herzstück der Initiative.

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25.08.2015

Mit Hörimplantat im Klassenzimmer – Tipps zum Unterricht an der Regelschule

In der Schule gut mitkommen kann nur, wer im Unterricht gut hören kann. Dazu sind auch Kinder und Jugendliche mit Hörbeeinträchtigung, die mit einem Hörimplantat versorgt wurden und eine Regelschule besuchen, durchaus in der Lage – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. „Je früher ein hörbeeinträchtigtes Kind eine Hörhilfe erhält, desto besser entwickelt sich das Sprachverständnis“, erläutert Prof. Dr. med. Joachim Müller, Klinikum der Universität München, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. „Durch eine frühe Versorgung im Kleinkindalter wird die auf Hören gestützte Sprachentwicklung positiv gefördert. Später trägt ein gutes Hör- und Sprachverständnis u.a. dazu bei, in der Schule besser mithalten zu können und weitere ggf. notwendige (technische und unterrichtsgestalterische) Hilfen besser einsetzen zu können.“

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28.07.2015

Urlaub mit allen Sinnen genießen – wertvolle Tipps für Hörimplantat-Nutzer

Das charakteristische Läuten von Big Ben, das Rauschen der Brandung am Strand von Fuerteventura, die Kuhglocken in den Österreichischen Alpen – erst die individuelle Geräuschkulisse macht das Urlaubsgefühl komplett. Damit auch Hörimplantat-Nutzer nicht auf den Urlaubssound verzichten müssen, ist es sinnvoll vor Reiseantritt einige Vorbereitungen zu treffen.

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27.05.2015

Die Initiative beat the silence präsentiert mit „H(ear)spots“ die erste Suchmaschine für induktive Höranlagen

Für Nutzer von Hörgeräten und Hörimplantat-Systemen ist das Hören von Stimmen und Musik bei Veranstaltungen wie Konzerten, Gottesdiensten oder Vorträgen in großen Räumen oft schwierig. Echo, Umgebungslärm oder andere Störgeräusche können dazu führen, dass die Betroffenen wenig oder gar nichts verstehen. Abhilfe kann hier eine induktive Höranlage schaffen, die den Nutzern von Hörlösungen ermöglicht, Audiosignale störungsfrei in ihren Audioprozessoren zu empfangen. Die Initiative beat the silence stellt heute die Suchmaschine „H(ear)spots“ vor, in der Gebäude in Deutschland und Österreich verzeichnet sind, die über eine eigene Induktionsschleife verfügen. Mithilfe von „H(ear)spots“ können sich Träger von Hörlösungen in Zukunft schnell und einfach vorab informieren, ob ihr Veranstaltungsort mit einer Induktionsanlage ausgestattet ist.

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14.04.2015

Wenn Kinder nicht hören: Wie eine frühe Behandlung von Hörverlust die Entwicklung von Kleinkindern positiv beeinflussen kann

Wenn Eltern vom Hörverlust ihrer Kinder erfahren, sind sie oft überfordert. Die ersten Gedanken drehen sich dann darum, wie das Kind aufwachsen wird und was es für Behandlungsmöglichkeiten für die Hörbeeinträchtigung gibt. Der Grad eines Hörverlustes kann dabei sehr variieren: Ein Kind mit einem gesunden Gehör kann bereits 20 Dezibel (dB), beispielsweise das Rascheln eines Baumes, wahrnehmen. Bei einem mittelgradigen Hörverlust hört das Kind erst ab einem Pegel von 46 bis 60 dB. Dies entspricht der Lautstärke beim Flüstern oder dem Gezwitscher von Vögeln. Oftmals braucht das Kind dann zusätzliche Hilfe durch eine moderne Hörlösung, um die Hörbeeinträchtigung auszugleichen. Erst wenn das Kind die Lautstärke eines Presslufthammers oder Lastwagens nicht mehr hören kann, ab 90 dB oder mehr, spricht man von schwerem Hörverlust. In diesem Fall kann ein Hörimplantat eine Möglichkeit sein, den Hörsinn wiederherzustellen.

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01.04.2015

Auf die Plätze, fertig, los: Spaß am Sport trotz Hörverlust

Eine Fahrradtour im Sommer, Fußballspielen mit Freunden oder der geliebte Salsa-Kurs: Sport gehört für viele Menschen zum Leben dazu. So auch für den Journalisten Torsten, der ein Hörimplantat trägt. Seine Leidenschaft ist das Laufen. Er bezeichnet sich als Genussläufer und ist schon den Hamburger und New Yorker Marathon gelaufen. Für ihn bedeutet ein Hörimplantat keine Begrenzung, vielmehr ein Stück Freiheit: Es bietet die Möglichkeit alle Geräusche in der Umgebung wahrzunehmen, aber auch den Audioprozessor bei einem lauten Stadtmarathon einfach auszuschalten. Torsten kann ohne Einschränkungen dem Sport nachgehen. 

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25.02.2015

Internationaler Ear Care Day: Wie Hören zur Gefahr werden kann

Am 3. März 2015 macht die World Health Organization (WHO) mit dem internationalen Ear Care Day auf das Thema Hörverlust aufmerksam. In diesem Jahr richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Thema Hören und die zunehmende Gefahr von permanentem Hörverlust durch eine laute Geräuschkulisse. Die WHO schätzt, dass 360 Millionen Menschen auf der Welt, rund 5,3 Prozent der Weltbevölkerung, unter Hörverlust leiden und die Hälfte davon durch eine frühzeitige Vorsorge vermieden hätte können. Als Sonderorganisation der Vereinten Nationen verfolgt die WHO das Ziel, das bestmögliche Gesundheitsniveau für alle Menschen zu erreichen.

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20.02.2015

Die Rückkehr des Motorensounds in der Formel 1: Wie Zuschauer sich vor dem Lärm schützen können

Die Luft brennt, der Geruch von Benzin und Gummi verbreitet sich und die Motoren heulen auf: 

Formel 1 Rennen umgeben eine besondere und vor allem laute Atmosphäre, die Fans lieben. Am 

15. März beginnt die neue Saison in der Formel 1 und damit sind Fans und Zuschauer wieder einer großen Lärmbelastung ausgesetzt. Während im letzten Jahr leisere Motoren zu heftiger Kritik in den Medien geführt haben, sind die Motorenhersteller in diesem Jahr zu dem altbekannten Motorensound zurückgekehrt. Statt Brummen hören Zuschauer nun wieder lauten Motorenlärm. Besucher sind häufig mehr als 100 Dezibel Schalldruck auf den Tribünen ausgesetzt. Dies bedeutet eine enorme Belastung für das Hörvermögen.  

30.01.2015

Hören und Verstehen: Mit gezielter Übung die auditive Wahrnehmung verbessern

Menschen mit Hörbeeinträchtigungen sind sich oftmals nicht darüber bewusst, dass sie aktiv dazu beitragen können, was sie verstehen. Denn viele wissen nicht: Hören und Verstehen sind zwei unterschiedliche Funktionen, die aber eng miteinander verknüpft sind. Die menschliche Sprache besteht aus hohen und tiefen Schallanteilen. Das Lautheitsempfinden wird durch tiefe Töne bestimmt, während hohe Töne dagegen für die Deutlichkeit bzw. für das Verstehen sorgen. Und genau hier kann man ansetzen: Das Verstehen kann trainiert werden, um das Hörvermögen zu stärken. 

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28.11.2014

Neue Klangwelten dank Hörimplantat entdecken

Den zarten Klang einer Harfe, das Schmettern der Trompete oder die tiefen Töne eines Kontrabasses – für Menschen mit Hörbeeinträchtigung sind Klänge oft nur schwer oder gar nicht wahrnehmbar. Ein Leben ohne Musik bedeutet für viele auch einen Verlust von Lebensqualität. Mit modernen Hörimplantaten kann Betroffenen heute jedoch dabei geholfen werden, ihre Hörbeeinträchtigung zu bekämpfen und Musik wieder zu genießen. 

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29.09.2014

Oma hörst du mich? – Wie Hörverlust im Alter die Lebensqualität vermindern kann

Wir alle werden älter und leben länger: Bis zum Jahr 2050 werden weltweit ca. 2 Milliarden Menschen über 60 Jahre alt sein. Mit der zunehmenden Alterserwartung nimmt auch die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung im Alter zu. Eine dieser Beschwerden ist der zunehmende Hörverlust: Mehr als 50 Prozent der Erwachsenen weltweit mit mittlerem Hörverlust sind über 65 Jahre alt. Was viele nicht wissen: Der Verlust an Lebensqualität mit einem zunehmenden Hörverlust ist vergleichbar mit der der nachlassenden Lebensqualität bei einer beginnenden dementiellen Erkrankung.

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18.07.2014

Initiative beat the silence begrüßt offiziell ihre Fachbeiräte

Tolle, neue Unterstützung für beat the silence: Die Initiative begrüßt ganz offiziell ihre Fachbeiräte auf ihrer Website www.beat-the-silence.org. Gemeinsam mit den beat the silence Botschaftern bilden die Fachbeiräte das Herzstück der Initiative. Ab sofort sind die Beiratsprofile unter www.beat-the-silence.org/fachbeiraete.html abrufbar. In Zukunft werden in regelmäßigen Abständen Fachbeiträge in Form eines Blogartikels zu aktuellen medizinischen Fragestellungen rund um das Thema Hören veröffentlicht. Alle beat the silence Fachbeiräte sind renommierte Mediziner oder Audiotherapeuten und verfügen über besonderes Fachwissen zu den Themen Hörverlust, Hörschwäche und Hörhilfen.

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03.07.2014

Wenn die Liebe auf mute gestellt ist: Hörverlust in der Partnerschaft

Harald und Renate sind seit 20 Jahren verheiratet. Seit einigen Jahren leidet Renate unter Hörverlust, ihr Hörvermögen hat sich zusehends verschlechtert. Lange hat sie versucht, diese Beeinträchtigung zu verbergen. Sie wurde introvertierter, mied Veranstaltungen mit vielen Menschen und ging nur noch selten aus dem Haus. Dieser soziale Rückzug hat auch ihre Beziehung zu Harald stark belastet: Er fühlte sich ausgegrenzt und zurückgewiesen. Mittlerweile trägt Renate ein CI, mit dem sie sehr gut zu Recht kommt. Ab und zu ist sie z.B. bei Telefonaten noch auf Haralds Hilfe angewiesen. Damit ihre Partnerschaft weiterhin auf Augenhöhe funktionieren kann, haben sie sich für eine Paartherapie entschieden.

 

Missverständnisse und Ungleichgewicht in der Partnerschaft führen zu Spannungen

 

 

 

04.06.2014

Setzen, sechs! – Wenn schlechtes Hören die Noten beeinflusst

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und die Jahreszeugnisse stehen vor der Tür. Eine aufregende Zeit für Eltern und Schüler: Haben sich die Noten verbessert oder verschlechtert? Wurde das Klassenziel erreicht? War das Betragen stets tadellos? Fallen die Zensuren schlecht aus oder wird das Kind nicht in die nächste Jahrgangsstufe versetzt, herrschen Enttäuschung, Frustration und Ratlosigkeit. Hinter schlechten Noten können sich vielerlei Ursachen verbergen. Ein häufiger und doch oft unterschätzter Grund für mäßige Leistungen kann schlechtes Hören sein.

06.05.2014

Der Ball rollt wieder – Mit geschützten Ohren lässt es sich beim Sportevent des Jahres besser feiern

Nur noch wenige Wochen, dann ist es endlich wieder soweit: Vom 12. Juni bis zum 13. Juli 2014 spielen 32 Nationen beim Sportereignis des Jahres in Brasilien um die internationale Fussballkrone. Das ganze Land freut sich auf vier Wochen Fanmeilen, Public Viewing Veranstaltungen, Fanfeste oder private Fussballparties. Für Fussballfans bedeuten diese Veranstaltungen gute Laune und viel Spaß. Für die Ohren verheißt dieses Ereignis jedoch vor allem eines: eine hohe Belastung. Egal ob Stadionlärm, der Geräuschpegel auf der Fanmeile oder die beliebten Vuvuzelas – das Ohr ist während der WM einem extremen Geräuschpegel ausgesetzt.

08.04.2014

Der Frühling ist da: Wie schütze ich mich vor Schäden durch Zeckenstiche?

Der Frühling ist da und die Natur ist aufgewacht – nach einem milden Winter bringt diese Entwicklung aber nicht nur positive Begleiterscheinungen mit sich. Gemessen an der Jahreszeit haben sich die Zeckenaktivitäten außergewöhnlich erhöht. Fast ganz Süddeutschland, Teile Hessens und von Rheinland-Pfalz sowie Teile Österreichs sind FSME-Verbreitungsgebiete. Hier gilt besondere Vorsicht, denn Zecken sind nicht nur lästig, sondern übertragen auch gefährliche Krankheitserreger wie zum Beispiel das FSME-Virus.

24.02.2014

Wenn die Ohren Schnupfen haben – Tipps und Tricks zur Vorbeugung einer Mittelohrentzündung

Sonnenschein und zweistellige Plusgrade – der Winter zeigt sich aktuell von seiner angenehmen Seite. Doch trotz passender Kleidung, warmer Kopfbedeckung und angenehmen Temperaturen ist es nicht unwahrscheinlich, sich eine Infektion einzufangen. Das liegt daran, dass der Auslöser in vielen Fällen nicht die falsche Wahl der Kleidung, sondern eine Infektion der Schleimhäute ist. Bedingt durch kalte und trockene Heizungsluft reagieren gerade im Winter die Schleimhäute anfälliger als üblich auf Viren und Bakterien. Vom Hals-Nasen-Rachenraum steigen die Erreger oftmals über die so genannte Ohrtrompete in das Mittelohr auf und führen zu einer Entzündung.

17.01.2014

beat the silence startet mit neuen Botschaftern in das Jahr 2014

Das erfolgreiche Botschafterprogramm der Initiative beat the silence wächst weiter: Mittlerweile berichten acht Botschafter auf www.beat-the-silence.org über ihr Leben mit dem Hörverlust, wie sie die Stille erfolgreich bekämpfen und ihren Alltag meistern.

Als Botschafter stehen sie im Mittelpunkt der Initiative und fungieren als Sprachrohr. Sie teilen ihre Erfahrungen und ermutigen Betroffene und Angehörige selbst aufgeschlossen mit dem Thema Hörverlust umzugehen. Die neuesten Mitglieder in der Botschafterfamilie sind der kleine Jim (3) mit seiner Familie sowie Journalist Torsten.

19.12.2013

beat the silence: Wie schütze ich mein Gehör an Silvester?

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und vor allem junge Menschen freuen sich nach den ruhigen und besinnlichen Weihnachtstagen auf eine große Party an Silvester. Leider sind Musik, Feierlärm und Raketenkrach eine große Belastung für das Gehör. Ein häufiger Grund für Hörverlust ist die sogenannte Schallempfindungsstörung, hervorgerufen durch die Schädigung der Haarzellen im Innenohr. Das kann zum Beispiel durch laute Geräusche hervorgerufen werden. Um die Ohren zu schonen und gesund in das neue Jahr zu starten, sollten ein paar simple aber effektive Tipps befolgt werden... 

08.08.2013

beat the silence: Initiative informiert über den Wert guten Hörens

Jeder fünfte Europäer lebt mit einer Hörbeeinträchtigung, alleine in Deutschland sind knapp 20 Prozent der über 14-Jährigen davon betroffen.Dennoch ist das Thema Hörverlust in der Gesellschaft weitestgehend unbekannt und mit vielen Vorurteilen und Unsicherheiten verbunden. Gegen eben diese wendet sich die neue Initiative beat the silence aktiv...

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