Prim. Univ. Prof. Dr. Georg Sprinzl

Klinik: Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Karl Landsteiner Privat Universität, Landesklinikum St. Pölten

Fachgebiet: HNO, Schwerpunkt: Ohrenheilkunde – insbesondere die Versorgung mit implantierbaren Hörsystemen

Ich bin Beirat weil:
Eine Implantation ist für zahlreiche Betroffene der Schritt aus der Stille zurück in ein offenes und kommunikatives Leben. Die Aufklärungsarbeit der Initiative beat the silence zeigt sowohl Betroffenen als auch Angehörigen Möglichkeiten auf, sich dem Hörverlust zu stellen. Das ist ein sehr wesentlicher Schritt zurück in die Welt der Hörenden. Die Aufklärungs- und Vernetzungsarbeit der Initiative möchte ich gerne mit meinem Fachwissen unterstützen.

Das bedeutet beat the silence für mich:
Ich zitiere gerne Konrad Adenauer, der einmal sagte: „Nie Aufgeben, niemals. Fallen ist weder gefährlich noch eine Schande - Liegenbleiben ist beides.“ Für mich steht „beat the silence“ für nicht aufgeben, für kämpfen. Ich stelle mich dem Hörverlust und tue mit meiner Arbeit alles Menschenmögliche, um der Stille entgegenzutreten.
 
 


Fachbeiträge Prof. Sprinzl:

18.03.2015      

Teil 2: Wie kann Tinnitus behandelt werden?

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Teil 2: Wie kann Tinnitus behandelt werden?

 

Für Tinnitus gibt es kein einheitliches Therapieverfahren. Die Behandlung und die Methoden hängen vom Schweregrad ab. Momentan gibt es noch keine Tinnitus-Medikamente, die die Ohrgeräusche ganz

und langfristig verschwinden lassen. Bei einer schwächeren Form oder beim ersten Auftreten eines Tinnitus werden, wenn notwendig, erst einmal nur durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben. Bei chronischem Tinnitus tragen in einigen Fällen die sogenannten Psychopharmaka zur Verbesserung bei, die über ihre Wirkung auf das zentrale (emotionale) Nervensystem die von dort ausgehende Tinnitus-Verstärkung reduzieren beziehungsweise das Leiden mildern können.

 

Die meist etablierte Behandlungsmethode ist die Tinnitus-Retraining-Therapie, die aus verschiedenen Therapiebausteinen besteht. Einer der wichtigsten Inhalte ist eine individuelle psychologische Betreuung, um die Ursachen für den Tinnitus zu ergründen. In den meisten Fällen sind u.a. stressverstärkende Gewohnheiten ein Grund für das Auftreten von Tinnitus. In den Sitzungen werden Strategien entwickelt, um den Stressfaktor zu reduzieren. Entspannungstechniken oder -sport wie Autogenes Training, Yoga oder auch Muskelrelaxation helfen den Betroffenen abzuschalten und sich zu entspannen.

 

Eine weitere Option sind apparative Therapieverfahren wie Rauschgeneratoren, die über mehrere Stunden ein leises Rauschen produzieren. Das Gehirn soll auf diese Weise den Tinnitus als unwichtig einstufen, sich an ihn gewöhnen und aus der bewussten Wahrnehmung verschwinden lassen. Bei einseitig ertaubten Ohren ist die operative Versorgung des Innenohrs mit einem Cochleaimplantat (CI) vielversprechend. Bei gelungener Wiederherstellung des Hörvermögens ist das Ergebnis eine anhaltende Reduktion der Tinnitus-Lautstärke von stark zu schwach. In einigen Fällen können die Geräusche sogar ganz verschwinden. Die Lautstärkenreduktion bei aktiviertem Cochleaimplantat ist stabil und bietet daher eine dauerhafte Linderung.


11.03.2015      

Teil 1: Anhaltende Ohrgeräusche – Diagnose Tinnitus

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Teil 1: Anhaltende Ohrgeräusche – Diagnose Tinnitus  

 

Aus scheinbar unbekannten Ursachen vernehmen Betroffene plötzlich Ohrgeräusche wie Zischen, Klingeln, Klappern oder Rauschen. Ungefähr 18,7 Millionen Menschen in Deutschland waren bereits von Tinnitus betroffen – davon sind 2,7 Millionen akut behandlungsbedürftig. [1] In Österreich liegt die Zahl bei 1 Million, darunter 100.000 akute Fälle. [2] Mögliche Auslöser können organischer Natur wie ein Hörsturz, Zähneknirschen, Mittelohrerkrankungen, Infektionen oder Lärm sein, aber auch Stress kann eine Ursache sein.

 

Doch wie kommt es zu den unangenehmen Geräuschen im Ohr? Bei einer Schädigung des Innenohrs werden nicht mehr genügend elektrische Impulse vom Ohr zum Gehirn weitergeleitet. Dieses versucht die Hörstörung zu kompensieren, bis es wieder etwas hört. Fälschlicherweise nehmen viele an, dass die auftretenden Töne im Ohr aus dem Umfeld kommen. Es handelt sich aber um das Rauschen der Nervenzellen, die bei einem gesunden Ohr herausgefiltert werden. Funktioniert dieses jedoch nicht mehr richtig, treten die Geräusche ins Bewusstsein und es kommt zu lästigen Ohrgeräuschen.

 

Welche Arten von Tinnitus gibt es?

In der Fachwelt wird zwischen akutem, subakutem und chronischem Tinnitus unterschieden. Bei der akuten Variante treten Geräusche erstmalig auf. In manchen Fällen verschwinden die Symptome wieder von selbst. Sollten diese nach einem Tag aber immer noch da sein oder sich sogar verschlimmert haben, ist ein Aufsuchen eines HNO-Arztes ratsam. Bei der Behandlung gilt, je früher damit begonnen wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung. Das Ohr wird untersucht und ein Hörtest gemacht, um eine passende Behandlung festzulegen. Bei ungefähr 80 Prozent der Betroffenen verschwindet der Tinnitus in der Regel wieder ganz – durch Behandlung, teilweise auch von selbst.

Als akut gilt ein Tinnitus, wenn er weniger als drei Monate anhält. Dauern die Symptome bis zu sechs Monate an, leiden Betroffene an einem subakuten Tinnitus.

 

Bleiben die Ohrgeräusche länger als sechs Monate bestehen, liegt ein chronischer Tinnitus vor. Dabei gibt es unterschiedliche Schweregrade. Bei der schwächsten Form werden Geräusche nur gehört, stören aber nicht – eine Behandlung ist deshalb nicht immer notwendig. Sind die Geräusche im Ohr lauter, können diese beim Einschlafen und in ruhigen Momenten stören. In Stresssituationen können die Töne unter Umständen noch lauter werden. Bei diesem Schweregrad liegen im Normalfall noch keine sozialen oder beruflichen Einschränkungen vor.

 

Nehmen die Ohrgeräusche aber eine Lautstärke an, die als unangenehm empfunden wird, können psychische Symptome und Begleiterkrankungen auftreten. Der Tinnitus kann sich beispielsweise negativ auf den Beruf auswirken, so dass die Qualität der Arbeit nachlässt. Aber auch im privaten Umfeld können Schwierigkeiten in der Beziehung zu Mitmenschen auftreten. Die ständige Begleitung von Tönen führt in manchen Fällen zu einer schlechten mentalen Verfassung, was einen sozialen Rückzug zur Folge hat. In den schlimmsten Fällen ist kein Berufs- oder soziales Leben mehr möglich.

 


[1] Deutsche Tinnitus-Liga [1] Österreichische Tinnitus-Liga (ÖTL)

02.07.2014      

FSME und die Folgeschäden: Wie gefährlich sind Zeckenstiche wirklich?

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FSME und die Folgeschäden: Wie gefährlich sind Zeckenstiche wirklich?

Eine Beeinträchtigung des Gehörs kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Manche Menschen hören von Geburt schlecht oder gar nichts, andere erleiden im Laufe ihres Lebens bedingt durch andauernde Lärmbeschallung oder auch Stress einen Hörverlust. Was jedoch nur wenige wissen: Auch eine FSME-Erkrankung kann unter anderem einen Hörverlust mit sich führen.

Laut Robert-Koch-Institut sind die FSME-Fallzahlen in Deutschland im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. 2013 wurden 400 FSME-Fälle gemeldet, 2012 waren es lediglich 195. Die Hälfte aller in 2013 erfassten Patienten erkrankte schwer an Enzephalitis oder Meningoenzephalitis. Eine FSME-Impfung ist für Kinder und Erwachsene daher gleichermaßen unerlässlich. Dennoch stagnierten die Impfquoten oder gingen sogar zurück. Fast ganz Süddeutschland, Teile Hessens und von Rheinland-Pfalz sowie Teile Österreichs sind FSME-Verbreitungsgebiete. Informationen und eine Karte mit allen Risikoregionen bietet die Homepage des Robert-Koch-Instituts.

Nicht jede Zecke trägt FSME-Viren in sich, in den Risikogebieten ist jedoch erhöhte Vorsicht geboten. Was aber macht das Virus so gefährlich? Das FSME-Virus greift das zentrale Nervensystem des Menschen an und kann zu drastischen Langzeitschäden wie Lähmungen der Extremitäten oder auch Hörverlust führen.

Die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Krankheit. Es führt jedoch nicht jeder Stich zu einer Infektion, bei rund 30 % der Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf. Da sich Kinder oft dort aufhalten, wo Zecken zu finden sind, sind sie besonders gefährdet und gehören zur Risikogruppe. Die FSME selbst verläuft gerade bei älteren Menschen häufig folgenschwerer. In der Regel durchlebt ein FSME-Patient zwei Stadien während der Krankheit: Im ersten Stadium zeigt ein Betroffener Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Wer Glück hat, hat die Erkrankung nach Abklingen dieser Beschwerden überstanden. Im zweiten Stadium kann das Virus jedoch das zentrale Nervensystem befallen. Es kann zu einer Meningitis, einer sogenannten Hirnhautentzündung oder zu einer Gehirnentzündung kommen. Neben den Symptomen einer Hirnhautentzündung, wie hohem Fieber, Kopfschmerzen oder einem steifen Nacken, können weitere Beschwerden wie Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, psychische Veränderungen oder Teillähmungen am Körper auftreten. Auch wer eine FSME-Infektion überstanden hat, kann mit den Spätfolgen der Erkrankung wie Lähmungserscheinungen, Schwerhörigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit oder anderen Beeinträchtigungen des Nervensystems konfrontiert werden.

Prävention ist der beste Schutz und deshalb hilft es, neben dem klassischen Impfschutz, der allen Erwachsenen sowie Kindern ab sechs Jahren empfohlen wird, die sich häufig in Risikogebieten aufhalten oder ihren Urlaub dort verbringen, einfache Tipps zu befolgen. Ein umfangreiches Informationsangebot zum Thema FSME-Schutz bieten die Seiten des Deutschen Grünen Kreuzes, des Robert-Koch-Instituts oder Zecken.de und Zecken.at.

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