03.01.2017

Schwerhörig = Einsamkeit? Nein, muss nicht sein!

von unserem Botschafter Andreas

 

Viele Hörgeschädigte ziehen sich immer mehr zurück und verlieren immer mehr soziale Kontakte – egal welche Altersgruppe. Doch das muss nicht sein, es gibt zahlreiche Möglichkeiten auch mit Hörgeräten oder Implantaten Veranstaltungen Freizeitaktivitäten gemeinsam genießen zu können.

Gemeinsam mit dem Verein hörensWERT – Schwerhörigenzentrum Niederösterreich habe ich neben den bereits etablierten und neugegründeten Selbsthilfegruppen die neue hörensWERT Aktivgruppe als zusätzliches Angebot gegründet. Ziel dabei ist, die Möglichkeiten für hörgeschädigte Personen aufzuzeigen, der Desozialisierung entgegenzuwirken und das Problem auch sichtbar zu machen.

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Text Andreas

Am 28.12.2016 trafen sich einige Betroffene aus mehreren Bezirken zum gemeinsamen Pizzaessen und Kennenlernen anschließendem Besuch des „Kino im Kesselhaus“ in Krems an der Donau, denn dieses Kino bietet Barrierefreiheit für Schwerhörige! Dank der hervorragenden Qualität der angebotenen Induktionstechnik konnten alle TeilnehmerInnen den Film entspannt genießen. Auch bei schwierigen Hörsituationen konnten die Dialoge mit sämtlichen Details sehr gut verstanden werden. Einige nutzten die Induktion zum ersten Mal und ließen diese Funktion auch erstmals durch ihren Akustiker extra freischalten.


Für 2017 sind bereits einige weitere Aktionen wie Kabarett, Konzerte, Städteausflüge, etc. fix geplant. Bei der Planung versuchen wir für sämtliche Altersgruppen etwas anzubieten. Aus eigener Erfahrung kenne ich wie schwierig es oft ist, aus dem Teufelskreis auszubrechen, man denkt es ist einfach vieles zu schwierig und anstrengend, fühlt sich ausgeschlossen und zieht sich zurück. Ich bin selbst auf beiden Ohren stark schwerhörig und nach 10 Jahren Suchen seit 2013 endlich mit Mittelohrimplantaten versorgt.

Die sogenannte Induktionstechnik, auch bekannt als T-Spule, bietet zum Beispiel die Möglichkeit den Klang direkt in die Hörgeräte oder Implantate zu übertragen und einige Vortragsräume, Kultureinrichtungen, etc. bieten diese bereits an. Bei Vorträgen, Stadt- oder Museumsführungen sind auch FM-Anlagen. Der Sprecher/Führer bekommt dabei einen kleinen Sender und Betroffene einen Empfänger mit Kopfhörer oder Induktionsschleife um den Hals. So können auch Hörgeschädigte Menschen ohne Anstrengung oder zunehmenden Stress hören.
 
„Uns ist wichtig, dass auch Veranstalter und Museen, etc. die akustische Barrierefreiheit ernst nehmen und es auch entsprechend kommunizieren. Wir Hörgeschädigten können sonst weder Kabaretts, Theater, Museen, Konzerte, Messen oder Vorträge besuchen und auch verstehen“, sagt Helga Higer, Mitglied des ehrenamtlichen Vorstands von hörensWERT.

 

Informationen zu der Aktivgruppe sowie den Selbsthilfegruppen findet man auf www.hoerenswert.or.at und auf der Facebook-Seite von hörensWERT


14.09.2016

Erfahrungsbericht:
Das Bonebridge Knochenleitungs-Implantat bei Kindern

von Benny Lorenz (www.laura21.de)

Meine Tochter Laura ist 5 Jahre alt. Sie hat das Down-Syndrom. Und seit August 2016 ein Bonebridge Knochenleitungs-Implantat. Ein erster Erfahrungsbericht mit Video von der Erstanpassung.


Von Geburt an trug Laura ihre Phonak Nios Hörgeräte, da sie anfangs einen kombinierte Schwerhörigkeit von links 65 dB und rechts 60 dB dB hatte. Nach einigen Operationen im Alter von rund eineinhalb Jahren hatte sie dann einen Hörverlust von links 30dB und rechts 70dB – jeweils bei 2-4 kHz.
Bei der letzten Operation im April 2016 haben die Ärzte entschieden, dass Laura ein Knochenleitungs-Implantat bekommen soll, da ihre Hörgeräte die starken Hörschwankungen nicht mehr ausgleichen können.
Auf der Bonebridge lagen für uns viele Hoffnungen. Rund 5500 Menschen weltweit haben sie implantiert, seit 2014 ist die Bonebridge auch für Kinder und Jugendliche zugelassen.

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Nach rund drei Monaten des Wartens hatten wir im Frühjahr die Zusage, dass Laura die Bonebridge bekommt. Im August 2016 wurde das Implantat auf der linken Seite in den Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden eingesetzt. Die Operation hat nicht lange gedauert. Nachdem die Narbe hinter dem Ohr schnell abheilte, hat Laura nicht einmal zwei Wochen nach der OP den Samba Audioprozessor zu der Bonebridge bekommen. Da es kaum Erfahrungsberichte zur Bonebridge bei Kindern gibt, habe ich ein Video von der Erstanpassung des Prozessors gemacht. Nach rund einer Minute hat Laura verstanden, wofür der Prozessor gut ist, und hat ihn selbständig an den Kopf angebracht. Auch das gefühlte Hören klappt besser. Sie hatte sich für ein Cover mit einem Smilie entschieden – aktuell haben wir rund 12-15 Cover zum Wechseln. Jetzt starten wir hoffnungsfroh in die Reha – neben dem technischen Feintuning gibt es ein spezielles Hörtraining für Laura. Wir sind schon jetzt stolz auf die Fortschritte, die sie macht. Mehr Informationen in meinem Blog: www.laura21.de 


Wie die Bonebridge funktioniert:
Die Bonebridge ist ein teilimplantierbares Hörsystem. Das System besteht aus einem extern getragenen Audioprozessor und einem chirurgisch eingesetzten Implantat.
Der Audioprozessor, der durch einen Magneten am Implantat gehalten wird, nimmt den Schall auf und wandelt diesen in Signale um, die er dann durch die Haut an das Implantat weitergibt. Das Implantat ist im Knochen (Felsenbein) verankert und wandelt die empfangenen Signale in mechanische Schwingungen um, die an den umgebenden Knochen weitergeleitet werden. Der Knochen leitet diese Schwingungen an das Innenohr weiter, wo sie ähnlich dem Vorgang des natürlichen Hörens als Impulse an den Hörnerv weitergegeben werden. (Quelle: Hersteller MED-EL)


Lauras erste Momente mit dem Knochenleitungs-Implantat Bonebridge:



27.11.2015

Tinnitus-Space der Seele

Lutz ist beat the silence Botschafter und Science-Fiction-Autor. In seinem Buch „Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter“ philosophiert er über die Zukunft des Hörens. Eine kleine Gedankenreise.


Der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke formulierte in seinem Dritten Clarkeschen Gesetz: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ (Wikipedia) Der biblische Traum, dass Blinde wieder sehen und Taube wieder hören können – hat er nicht auch heute noch etwas Magisches an sich? Obwohl die Technik hier bereits die Magie eingeholt hat. Es ist nicht mehr die Frage ob, sondern wie gut sie funktioniert. In meinem Buch „Vuvuzela oder Die Stimmen der Götter“ habe ich für das Hören die nächste magische Grenze gesucht, die für das Genre der Science-Fiction zu überschreiten wäre. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als eine neue Art und Weise der Raumfahrt.

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Lutz: Tinnitus-Space der Seele

Ist es nicht mühselig und mit jedem Staatshaushalt unvereinbar, Milliardensummen in Metallzylinder zu stecken und sie mit umweltbelastenden Verbrennungsmaschinen in die Umlaufbahn zu schießen? Dazu der viele Schrott im Orbit, der ein Durchfliegen bald unmöglich macht. Nach dem Hoch- und Durchkommen braucht es eine unendlich lange Zeit, bis die Raumfahrer auf dem Mars, geschweige im nächst gelegenen Sonnensystem, landen können. Als Autor mit Richtlinienkompetenz und nicht ohne Augenzwinkern machte ich eine Anleihe bei einer Nachbardisziplin der Science Fiction. Ich verwandelte die Esoteriker in Esonauten und schickte sie per kontrolliertem Tinnitus ins Universum. Da gibt es natürlich auch einige Schwierigkeiten, die noch nicht gelöst sind. Wenn z. B. der Körper im Kontrollzentrum des Klangsanatoriums liegt, die Seele gerade einen neuen Planeten bereist und feststellen muss, dass sie Hunger hat, ihr etwas weh tut und sie nicht recht weiß, wie sie wieder zurückkommen soll. Gibt es nach der Materialisierung dann zwei Körper – einen im Klangsanatorium und einen zweiten, auf dem fernen Planeten? Und wie muss der künftige Esonaut mit seinen Ängsten umgehen, wenn er damit rechnen darf, dass wegen Leblosigkeit sein Körper irgendwann auf der Erde entsorgt, sprich beerdigt wird?
Auf solche und ähnliche Fragestellungen kommt freilich nur, wer für seinen Tinnitus noch keine technische Lösung gefunden hat und sich, wie Kohlpeter, der Protagonist des Romans, in das Klangsanatorium am Rande der Alpen begibt. Als Autor des Buches darf ich nicht unerwähnt lassen, dass mein eigener Tinnitus inzwischen per Mittelohrimplantat abschaltbar ist. Ein Glück, dass ich diese neue Raumfahrttechnologie vorher beschrieben habe, ehe sie durch Heilung der Tinnitus-Geplagten irgendwann ganz in Vergessenheit gerät.


07.10.2015

Richtiges Vorlesen bei hörbeeinträchtigten Kindern

Unser Beirat Markus Landwehr, M.Aud., Dipl.-Ing.(FH), erklärt wie Eltern durch Vorlesen die Sprachentwicklung ihrer hörbeeinträchtigten Kinder gezielt Fördern können: 

 

Die ersten beiden Lebensjahre sind die wichtigste Phase für den Spracherwerb. Die Fähigkeit des Gehirns, gesprochene Sprache zu entwickeln und zu verstehen nimmt nach dieser Phase bis zum Alter von sieben Jahren kontinuierlich ab. Für Kinder die schwerhörig sind oder ein Cochleaimplantat tragen, ist es essenziell ihr Gehör sowie die Sprache kontinuierlich zu schulen. Das ist beispielsweise möglich, indem Eltern ihren Kindern regelmäßig vorlesen und mit ihnen sprechen. Dabei ist es besonders wichtig, auf deren Anforderungen, mit langsamem und deutlichem Sprechen, einzugehen. Mit folgenden Tipps können Eltern es ihren Kindern erleichtern, das Vorgelesene besser zu verstehen:  

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Visuelle  Unterstützung

 

Beim Vorlesen sind einige Dinge zu beachten, damit das Kind bestmöglich folgen kann. Es ist hilfreich, das Vorgelesene mit vielen Bildern zu unterstützen. Das Kind muss den Vorleser gut sehen können. Insbesondere das Gesicht und der Mund ist wichtig. Eltern sollten sich Zeit lassen und das Vorgelesene mehrmals  wiederholen. Mit zunehmendem Sprachverstehen wird dies immer weniger notwendig.

 

Mimik hilft besser zu verstehen

 

Auch die Mimik spielt beim Vorlesen eine große Rolle, da diese ein Hinweis auf die Betonung ist. Mimik und Betonung können ruhig auch mal stärker als gewohnt eingesetzt werden. Die Vorlesegeschwindigkeit sollte dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Es ist ratsam speziell zu Beginn langsam vorzulesen. Gezielte Dynamik und Spannung können auch durch stärkere Betonung statt höherer Geschwindigkeit verdeutlicht werden.

 

Anspruch steigern

Es ist ratsam, vor allem am Anfang, sehr kurze Sätze zu wählen. Sobald das Sprachverstehen des Kindes besser wird, sollten Eltern zunehmend längere Sätze vorlesen. Es ist auch möglich Sätze zu vereinfachen oder Worte auszutauschen. Unbekannte Wörter werden dem Kind langsam nahe gebracht und der Sprachmodus immer wieder dem aktuellen Lernstand angepasst.

 

Grundvoraussetzungen

 

Störgeräusche, wie zum Beispiel Hintergrundgeräusche, durcheinander sprechen mehrerer Personen oder schlechte Raumakustik sowie visuelle Ablenkungen, wie zum Beispiel spielende Kinder, Spielzeug oder der laufende Fernseher, irritieren das Kind wodurch es dem Vorgelesenen nicht optimal akustisch folgen kann. Auch Dialekte sollten speziell am Anfang vermieden werden. Das Kind muss wach und fit sein, da es mehr Energie in das Hören und Verstehen stecken muss. Außerdem sollte die optimale technische Versorgung ggf. mit Zusatztechnik genutzt werden.

 

Man kann das Kind beim besseren Sprachverstehen unterstützen, wenn man nach dem Vorlesen über die Geschichte spricht und Fragen dazu stellt. Der Schwierigkeitsgrad sollte auch hier langsam angepasst werden. So können Eltern feststellen, wie viel das Kind tatsächlich verstanden hat und eine Entwicklung erkennen.

Zu guter Letzt - behandeln Sie ihr hörbeeinträchtigtes  Kind genauso wie ein guthörendes Kind. Ihr Kind soll nicht das Gefühl haben „anders“ zu sein.

 

Zum Beiratsprofil geht's hier.


09.09.2015

Über den Wolken mit CI

von unserem Botschafter Michael – Wartungsingenieur bei Lufthansa und seit 2012 bilateral implantiert

 

Vom Fliegen war ich schon immer fasziniert. Sehr gerne wäre ich Pilot geworden, doch leider habe ich vor 38 Jahren die Eignungsprüfung nicht bestanden. Deshalb studierte ich Luft- und Raumfahrttechnik und arbeite mittlerweile seit fast 30 Jahren als Wartungsingenieur bei der Lufthansa. 

Im Rahmen meiner Tätigkeit führe ich auch sogenannte Abnahmeflüge durch. In Zusammenarbeit mit den Piloten wird das Flugzeug dabei einer Reihe vorgegebener Tests unterzogen, die jeweiligen Anzeigewerte und das Flugverhalten des Flugzeugs protokolliert und die Beobachtungen anschließend mit den Piloten besprochen. Bei Beanstandungen weise ich gegebenenfalls weitere Wartungsmaßnahmen an.

Während der Prüf- und Abnahmeflüge muss ich viel mit den Piloten kommunizieren, was durch meine zunehmende Schwerhörigkeit über die Jahre hinweg immer schwieriger wurde, bis ich diese Tätigkeit zeitweise gar nicht mehr ausüben konnte.

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Diesen Zustand wollte ich nicht akzeptieren. Das Fliegen aufzugeben und meine Lebensqualität einzuschränken, kam für mich nicht in Frage. Deshalb habe ich mich im Jahr 2011 für ein Cochleaimplantat (CI) entschieden - ein Jahr später folgte die OP des zweiten Ohrs. Aufgrund der guten Resultate war für mich klar, dass ich versuchen würde, meine Prüfflugtätigkeit wieder aufzunehmen. Zur Wiedererlangung der sogenannten Prüfflugberechtigung musste ich mich beim medizinischen Dienst meines Arbeitgebers diversen Tests unterziehen. Nachdem meine Audiogramme und die Ergebnisse der Tests zum Sprachverstehen zeigten, dass ich ein ausreichend gutes Hörvermögen habe, wurde mir die Flugtauglichkeit bescheinigt. Die Flugtauglichkeit muss alle zwei Jahre durch eine medizinische Eignungsuntersuchung bestätigt werden und von all meinen Kollegen mit Prüfflugerlaubnis absolviert werden. Als CI-Träger brauche ich keine Sondergenehmigungen, lediglich ein jährliches Schreiben meiner HNO-Klinik, das ein unverändertes Hörvermögen und keine sonstigen negativen Veränderungen, wie z.B Schwindel oder Ähnliches belegt.

Fliegen ist fester Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft geworden. Egal ob Geschäftsreise oder Familienurlaub - das Flugzeug ist für viele das bequemste und beliebteste Transportmittel. Einige CI-Träger meiden das Fliegen jedoch aus Angst oder Unsicherheit. Ich möchte diese Menschen wissen lassen, dass Fliegen mit CI bedenkenlos möglich ist. 

Die größten Sorgen machen sich die meisten wegen der Metalldetektoren bei der Sicherheitskontrolle – die kann ich ihnen ohne weiteres nehmen. Die Metallschleuse beim Sicherheitscheck kann mit einem Formular des ADAC problemlos umgangen werden. 

Und selbst als ich in an einem Flughafen in den USA mit einem in Deutschland eher unüblichen Ganzkörperscanner überprüft wurde, gab es keinerlei Probleme. 

Sowohl in meiner Freizeit als auch auf Reisen höre ich gerne Musik - vor allem Jazz mag ich sehr. In der Zeit, in der ich noch normal hören konnte, habe ich mich mit dieser musikalischen Stilrichtung sehr intensiv auseinandergesetzt. 

Seit meiner beidseitigen Implantation höre ich persönlich am liebsten mit Hilfe einer Induktionsschleife Musik, die direkt an das Radio oder den mp3-Player angeschlossen wird. Leider ist dies im Flugzeug nicht möglich, da die elektronischen Geräte sehr intensive, elektromagnetische Wellen abstrahlen, die die Übertragung der Induktionsschleife stören. Um auch über den Wolken nicht auf beruhigende Jazzklänge verzichten zu müssen, nehme ich immer ein Audiokabel und ein zusätzliches Batterieteil für meine Audioprozessoren mit. Diese empfehle ich bei Start und Landung, wie alle anderen elektronischen Geräte, kurz auszuschalten. 

 

Zum Botschafterprofil geht's hier.


18.07.2015

Gastbeitrag: Wir schaffen das!

Ein Beitrag von Patricia (44) – Ehefrau unseres Botschafters Martin. Sie wohnt mit Martin und ihren Kindern in Wien und arbeitet als Geschäftsführerin einer Modehandelsagentur

 

Bei meinem Mann Martin wurde vor 12 Jahren Hörverlust diagnostiziert. Er war in jungen Jahren viel in der Musikszene unterwegs und deshalb extremer Lautstärke ausgesetzt. Das könnte teilweise die Langzeitschäden an seinem Gehör erklären. Bestätigt wurde das bis jetzt allerdings nicht.

 

Mein erster Gedanke nach der Diagnose war, dass wir sicher eine medizinische Lösung für Martins Hörverlust finden werden. Am Anfang hat sich mein Mann ziemlich zurückgezogen, da er immer weniger hörte und es ihm schwer fiel, Unterhaltungen zu folgen. Wenn es irgendwie möglich war, hat er Gespräche vermieden. Ich habe Martin dabei geholfen, seine Freunde und Familie einzuweihen, da es ihm nicht leicht viel, das Thema Hörverlust anzusprechen. Wir haben alle gebeten, lauter und deutlicher mit ihm zu sprechen. Die Reaktionen waren zum Glück sehr positiv: Unser privates Umfeld hat großes Verständnis gezeigt und Martin stets unterstützt. Ich habe ihm im Alltag, so gut es ging, geholfen und fungierte oft als Dolmetscherin bzw. Simultanübersetzerin. Häufig wiederholte ich die gesprochenen Sätze für Martin nochmal lauter und deutlicher und antwortete teilweise automatisch für ihn.

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Nachdem er sein Gehör komplett verloren hatte, und Hörgeräte auch nicht mehr halfen, entschied er  sich für Hörimplantate. Seither hat sich unser Leben um 180 Grad gedreht. Martin kann wieder hören und nimmt aktiv am Leben teil. Er ist beruflich voll einsatzfähig und hat sogar den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Er hört wieder Musik, geht zum Fußball und spielt mit unseren Kindern.

Auch wenn sich unser Alltag jetzt wieder leichter leben lässt, müssen wir in manchen Situationen aufmerksamer sein als andere Eltern. Wenn wir beispielsweise mit den Kindern ins Schwimmbad gehen und mein Mann die Audioprozessoren ablegt, bin ich immer extrem wachsam, falls die Kinder Hilfe brauchen und mein Mann es nicht mitbekommen sollte. Insgesamt haben die Hörimplantate unsere Lebensqualität gesteigert und uns wieder in unser altes Leben zurückgeführt. Trotz der Schwierigkeiten nach der Diagnose – mit den Umständen und Veränderungen zurechtzukommen – hat der Hörverlust unsere Beziehung nicht negativ verändert, sondern eher gestärkt.

 

In der Öffentlichkeit herrscht leider größtenteils immer noch Unwissenheit rund um das Thema Hörverlust und mögliche Hörlösungen. Damit allen Betroffenen nach der Diagnose geholfen werden kann, wünsche ich mir für die Zukunft kompetente und auf den neuesten Stand der Technik gebrachte Anlaufstellen, speziell für Menschen mit Hörproblemen. Für Betroffene ist es wichtig zu wissen, wo sie Hilfe, Unterstützung und eine gute Beratung bekommen.


05.07.2015

Gastbeitrag: Sport ist Teil meines Lebens

von Geoffrey Ball

 

Sport hat in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Ich habe schon viele verschiedene Sportarten ausprobiert – vom Kayakfahren, Surfen und Boogie-Boarding über Schwimmen, Tennis, Golf und Skifahren bis hin zum Klettern, Wandern und Segeln – und ich könnte noch einiges mehr aufzählen. Besonders viel  Spass macht mir das Wakeboarding. Übrigens haben mein Freund Dave Barnett und ich das Wakeboarding quasi im Jahr 1983 erfunden. Damals befestigten wir eine Wasserski-Bindung an einem meiner alten Surfbretter und tüftelten aus, wie ich damit surfen kann, während Dave mich mit seinem Wasserskiboot zog. Wir nannten es einfach „Skurfen“, also ein Mittelding zwischen Wasserski und Surfen. Schade, dass wir uns die Idee nicht patentieren lassen haben. Heute kann ich leider nicht mehr so oft wakeboarden, wie ich gerne möchte, denn ich kenne niemanden mit einem Wasserskiboot. Außerdem sind die Seen in Österreich, wo ich jetzt lebe, meistens viel zu kalt. Mittlerweile spiele ich viel Golf und fahre im Winter Ski.

 

 

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Mein Hörverlust hat mich in der Vergangenheit nicht davon abgehalten, Sport zu treiben. So habe ich beispielsweise von meinem fünften bis 22. Lebensjahr Fußball als Wettkampfsport betrieben. Dabei hatte es auch eine gute Seite, dass ich taub war. Ich konnte mich vollständig auf den Ball und die Positionen der anderen Spieler konzentrieren, ohne abgelenkt zu werden. Ich war richtig gut, in jeder Saison der beste Torschütze und habe sogar halbprofessionell Fußball gespielt. Schade, dass es damals in den USA noch keine Profiliga gab. Allerdings muss ich zugeben, dass mein Hörverlust für manche Sportarten auch Nachteile hatte. So zum Beispiel bei Schwimmwettbewerben in meiner Collegezeit. Beim Startschuss war ich meistens der letzte, der noch auf dem Startblock stand, und das war richtig peinlich. Bald setzte mich mein Trainer nur noch für Langstreckenwettbewerbe ein, weil ich den Startschuss einfach nicht früh genug hören konnte.

 

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass gerade auch Menschen mit Hörverlust sehr aktiv sein können. Deshalb ist mein Rat insbesondere an kleinere Kinder mit Hörschwäche immer derselbe. Ich erzähle ihnen, dass sie überdurchschnittlich sind, denn vielleicht sind sie intelligenter, sehen besser aus oder können schneller rennen als all die anderen Kinder. Man muss lernen, mit seiner Taubheit zu leben und sie zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen. Mein Motto lautet deshalb: Konzentriere dich auf das, was du gut kannst und nicht auf das, was dir schlecht oder nicht gelingt. Menschen mit Hörverlust machen in ihrem Alltag ganz andere Erfahrungen und wissen deshalb oft mehr als ihre Mitmenschen. Heute gibt es dank des technischen Fortschritts viel mehr Lösungen, um einen Hörverlust auszugleichen. In meiner Kindheit war das noch ganz anders. Damals gab es nur diese klobigen Hörgeräte, die in den Ohren dröhnten und unangenehm laute, verzerrte und undeutliche Geräusche produzierten. Heute ist die Lage für Menschen mit Hörschwäche viel besser, als ich es mir je hätte erträumen können.

 

Sport ist für mich wichtiger Bestandteil meines Lebens, dem ich viele tolle Erinnerungen verdanke. Zum Beispiel weiß ich noch genau, wie es war, die 1.500 Meter zum ersten Mal in weniger als fünf Minuten zu laufen. Das war ein grandioses und unvergessliches Gefühl. Ich glaube allerdings nicht, dass ich das jemals wieder schaffen werde. Im Augenblick finde ich es großartig, fast jeden Tag in den Alpen wandern gehen zu können. Jedes Mal, wenn ich unterwegs bin, sehe ich so viele verschiedene Dinge an nur einem Tag. Das ist es, was mir an Österreich so gut gefällt – die wunderschöne Natur und die vielen Möglichkeiten, Sport zu treiben.


10.04.2015

Interview mit Alexander Görsdorf, CI-Träger und Autor "Taube Nuss"

Wir haben ein Interview mit dem Autor und Blogger Alexander Görsdorf über seine Arbeit als Schriftsteller geführt und ihn gefragt, was ihn dazu bewegt hat ein Buch über seinen Hörverlust zu schreiben.

 

 

Welches literarische Werk hat für Sie eine besondere Bedeutung?

 

 

Da gibt es natürlich eine ganze Menge. Aber mit Blick auf die "Taube Nuss" wären das vielleicht "Der infrarote Korsar" von Wiglaf Droste, "Chill mal, Frau Freitag" von Frau Freitag und "Mein Name sei Gantenbein" von Max Frisch. Dann noch "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Das Erste wegen dieser besonderen Form des Humors, das Zweite, weil es auch aus einem Blog entstanden und erfolgreich ist. Im Dritten wird eine ganze Identität entworfen und das Vierte wegen seiner Sprache. 

 

 

Hier das gesamte Interview lesen

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Was hat Sie dazu bewegt, ein Buch über Ihre Schwerhörigkeit zu schreiben?

 

Die Leute wissen zu wenig darüber, was es bedeutet schwerhörig zu sein. Anfangs dachte ich, Schwerhörigkeit ist ein dröges Thema, das keinen interessiert. Aber während ich notquitelikebeethoven.de schrieb, meinen Blog, merkte ich: Am Ende kommt man immer dahin, dass die Schwerhörigkeit nicht den behindert der sie hat, sondern zwischen den Leuten steht. Sie ist wie der Sand im Alltagsgetriebe. Darüber zu sprechen ist nicht nur nötig, damit es den Schwerhörigen besser geht. Es gewährt auch unterhaltsame Einsichten in unser aller Alltag.

Ich glaube, dass so gewecktes Interesse ein wichtiger Nährboden für politische Verbesserung ist, Stichwort Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland.

 


Wann und wo können Ihre Fans sich auf weitere Lesungen von „Taube Nuss“ freuen?

 

Derzeit ist es etwas ruhiger geworden, ich mache nur einige Auftritte im nicht ganz öffentlichen Kreis, z.B. auf der Blogwerkstatt der DCIG Anfang Mai und auf einem Kongress schweizerischer Hörakustiker . Aber im Juni und für den Herbst 2015 sind bereits einige Lesungen in der Planung. Wahrscheinlich u.a. Neubrandenburg, München, Hamburg, Rendsburg. Details gibt es bald unter notquitelikebeethoven.de und https://www.facebook.com/taube.nuss.das.buch

Außerdem bin ich immer für Einladungen offen.

 

 

Seit der Veröffentlichung des Buches ist schon etwas Zeit vergangen. Planen Sie eine Fortsetzung oder vielleicht über ein anderes Thema zu schreiben?

 

Warum nicht, wenn mich die Muse noch einmal küsst?

 

 

Herzlichen Dank für das Interview!

 

 

Über Alexander Görsdorf:

Hörverlust beschäftigt Alexander Görsdorf schon sein ganzes Leben. Seine Schwerhörigkeit, die sich seit früher Kindheit stetig verschlimmerte, hat ihn aber nicht davon abgehalten, in den USA die High School zu besuchen. Danach studierte er Philosophie und Europäische Ethnologie in Berlin und Sevilla und arbeitete in Harvard an seiner Promotion. Nach deren Abschluss war er Kommunikationsberater; heute ist in der Entwicklungspolitik tätig und setzt sich für Meinungs- und Pressefreiheit in Entwicklungsländern ein. Über all die kleinen und großen Probleme, skurrilen Situationen und kuriosen Alltagsgeschichten, die einem im Lauf des Lebens als Schwerhöriger und mittlerweile Hörimplantatträger passieren können, hat er nun ein Buch mit dem selbstironischen Titel „Taube Nuss“ verfasst.


25.03.2015

Gastbeitrag: Schriftdolmetscherin mit Herz

von Manuela Tengler

Für mich stand fest, dass mein Beruf eine sinnvolle und soziale Richtung haben sollte, bei dem meine schnelle Schreibe zum Einsatz kommt. Schon bei der Ausschreibung der Ausbildung zum Schriftdolmetscher merkte ich schnell, das ist absolut mein Ding – eine Chance, als Pionierin Aufklärungsarbeit zu leisten und gleichzeitig eigene Ideen umzusetzen. Währende der Arbeit kann ich anderen Menschen dabei helfen, ihr Leben mit Hörbeeinträchtigung aktiver zu gestalten. Ich bin mit Leib und Seele „Schriftdolmetscherin mit Herz“. Durch meine beruflichen Erlebnisse, ist mir erst richtig bewusst geworden, welche Auswirkungen eine Hörbeeinträchtigung für Menschen im Alltag haben kann. Zudem ist Hörverlust keine Frage des Alters. Besonders Jugendliche unterschätzen die Gefahr wesentlich. Umso mehr freut es mich, dass Initiativen wie beat the silence, auf das Thema aufmerksam machen und Betroffenen Unterstützung bieten.

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Als Schriftdolmetscherin bin ich zum einen für Privatpersonen, zum anderen auch für große Firmen und Veranstalter tätig. Im Einzelsetting arbeite ich vor allem mit Privatkunden, die einen Termin beim Arzt, OP-Besprechungen im Krankenhaus oder Gerichtstermine wahrnehmen müssen oder eine berufliche Fortbildung oder Seminar besuchen. Ich begleite meine Klienten direkt zu den Terminen, baue Laptop, externe Tastatur und Stativ auf und schreibe dann mit etwa 400 Anschlägen/Min. beispielsweise ein Gespräch oder Vortrag mit. Auf dem Bildschirm liest mein hörbeeinträchtigter Klient das Gesprochene nach und profitiert nicht nur vom Informationsgewinn, sondern kann auch aktiv nachfragen – wie in einem Gespräch. Für größere Veranstaltungen wird mittels Beamer die Live-Mitschrift auf eine Leinwand projiziert, um allen Anwesenden diesen Informationsgewinn zu ermöglichen – z.B. bei barrierefreien Veranstaltungen.

 

Schriftdolmetscher sind in Österreich ein sehr neues Berufsbild, aber der Bedarf ist definitiv gegeben. Es werden immer öfters neben dem mittlerweile eher bekannten Gebärdendolmetscher für Gehörlose auch Schriftdolmetscher gebucht. Ein wachsendes Betätigungsfeld sind Kongresse, Tagungen, Konferenzen, aber auch Eventveranstaltungen, Fortbildungseinrichtungen sowie soziale und öffentliche Einrichtungen. Veranstalter merken vermehrt, dass sie ihren Kunden mit Hörverlust einen größeren Dienst erweisen können, als einfach nur schriftliche Informationen per E-Mail zu schicken oder Prospekte und Broschüren zu verteilen.

 

Zudem schreibe ich für Studenten bei den Vorlesungen an den Universitäten in Wien mit. Aufträge über einen längeren Zeitraum – über eine Stunde – nehme ich mit einer Kollegin zusammen wahr, da das Schriftdolmetschen eine hohe Konzentrationsfähigkeit erfordert und diese mit dem 20-Minuten-Wechsel gewährleistet ist. Ein Erlebnis ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich habe einen Studenten mit Hörverlust bei einer Prüfung zum Bachelor begleitet. Während seiner Prüfung gelang es mir erfolgreich, seine Aufgeregtheit zu bekämpfen. Aber als der Professor dann die Prüfungsfragen an ihn stellte, flatterten mir die Finger beim Tippen. Natürlich bestand „mein“ Student mit Bravour, und ich bin sehr stolz auf ihn, aber auch, dass ich ihn unterstützen durfte. Anschließend bedankte er sich für die Begleitung in den letzten Monaten, da er ohne das Schriftdolmetschen nicht den Ausführungen in den Vorlesungen hätte folgen können.

 

Für mich bedeutet Schriftdolmetschen einfach nicht nur das Schreiben selbst, sondern das Rundherum ist ebenso wichtig. Ich bin wirklich Schriftdolmetscherin mit Herz, denn ich gehe nicht einfach zum Termin, schreibe und gehe. Mir ist auch wichtig, dass der Klient selbst zufrieden ist und umso mehr freue ich mich über positives Feedback. Es ist eine sehr soziale Tätigkeit, die Einfühlungsvermögen erfordert. Ich leiste zwar eine Dienstleistung, aber das Wohlbefinden auf beiden Seiten ist ebenso wichtig. Manchmal gehe ich heim und denke an die leuchtenden Augen, besonders, wenn Klienten Schriftdolmetschen zum ersten Mal live erleben und dann Kleinigkeiten wie Zwischenrufe aus dem Publikum auf dem Bildschirm mitlesen und mitlachen können.

 

Ich freue mich, dass der Tätigkeitsbereich Schriftdolmetschen in der Öffentlichkeit immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Im Februar 2015 berichtete die österreichischen Zeitschrift NEWS Leben über meinen Schriftdolmetsch-Service daZUgeHÖREN. Außerdem bin ich bei der Bewerbung zur Unternehmerin 2015 der Wirtschaftskammer Wien unter die Top Ten gekommen – ein deutliches und schönes Zeichen, dass Schriftdolmetschen als Kommunikationsleistung für Menschen mit Hörbeeinträchtigung von der Bevölkerung wahrgenommen wird. Es spricht sich herum, dass Hörgeschädigte mit der Begleitung eines Schriftdolmetschers wesentlich aktiver am beruflichen und privaten Leben teilhaben und ihren Weg gehen können – ob es um die Erfüllung eines Traums geht, die berufliche Karriere oder private Ziele.

 

Über Manuela Tengler:

Manuela Tengler ist 47 Jahre alt, wohnt in ihrer Geburtsstadt Wien und ist als Schriftdolmetscherin, Trainerin in den Bereichen Resilienz, Senioren und Gesundheitsförderung und Autorin tätig. Für Manuela war es klar, dass sie sich beruflich sozial engagieren wollte. Als Schriftdolmetscherin ist sie für Menschen mit Hörbeeinträchtigung eine Stütze. Zudem möchte sie mit ihrer Tätigkeit dazu beitragen, die Öffentlichkeit für das Thema Hörverlust zu sensibilisieren und Aufklärungsarbeit leisten. Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie verständnislos Menschen sein können. Ihre Großeltern waren beide altersbedingt schwerhörig. Als Kind fehlte ihr die Sensibilität, um mit der Situation entsprechend umzugehen.


11.03.2015

Anhaltende Ohrgeräusche – Diagnose Tinnitus

von Prim. Univ. Prof. Dr. Georg Sprinzl, Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Karl Landsteiner Privat Universität, Landesklinikum St. Pölten

 

Aus scheinbar unbekannten Ursachen vernehmen Betroffene plötzlich Ohrgeräusche wie Zischen, Klingeln, Klappern oder Rauschen. Ungefähr 18,7 Millionen Menschen in Deutschland waren bereits von Tinnitus betroffen – davon sind 2,7 Millionen akut behandlungsbedürftig.[1] In Österreich liegt die Zahl bei 1 Million, darunter 100.000 akute Fälle.[2] Mögliche Auslöser können organischer Natur wie ein Hörsturz, Zähneknirschen, Mittelohrerkrankungen, Infektionen oder Lärm sein, aber auch Stress kann eine Ursache sein.

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Doch wie kommt es zu den unangenehmen Geräuschen im Ohr? Bei einer Schädigung des Innenohrs werden nicht mehr genügend elektrische Impulse vom Ohr zum Gehirn weitergeleitet. Dieses versucht die Hörstörung zu kompensieren, bis es wieder etwas hört. Fälschlicherweise nehmen viele an, dass die auftretenden Töne im Ohr aus dem Umfeld kommen. Es handelt sich aber um das Rauschen der Nervenzellen, die bei einem gesunden Ohr herausgefiltert werden. Funktioniert dieses jedoch nicht mehr richtig, treten die Geräusche ins Bewusstsein und es kommt zu lästigen Ohrgeräuschen.

 

Welche Arten von Tinnitus gibt es?

In der Fachwelt wird zwischen akutem, subakutem und chronischem Tinnitus unterschieden. Bei der akuten Variante treten Geräusche erstmalig auf. In manchen Fällen verschwinden die Symptome wieder von selbst. Sollten diese nach einem Tag aber immer noch da sein oder sich sogar verschlimmert haben, ist ein Aufsuchen eines HNO-Arztes ratsam. Bei der Behandlung gilt, je früher damit begonnen wird, desto besser sind die Aussichten auf Heilung. Das Ohr wird untersucht und ein Hörtest gemacht, um eine passende Behandlung festzulegen. Bei ungefähr 80 Prozent der Betroffenen verschwindet der Tinnitus in der Regel wieder ganz – durch Behandlung, teilweise auch von selbst.

Als akut gilt ein Tinnitus, wenn er weniger als drei Monate anhält. Dauern die Symptome bis zu sechs Monate an, leiden Betroffene an einem subakuten Tinnitus.

 

Bleiben die Ohrgeräusche länger als sechs Monate bestehen, liegt ein chronischer Tinnitus vor. Dabei gibt es unterschiedliche Schweregrade. Bei der schwächsten Form werden Geräusche nur gehört, stören aber nicht – eine Behandlung ist deshalb nicht immer notwendig. Sind die Geräusche im Ohr lauter, können diese beim Einschlafen und in ruhigen Momenten stören. In Stresssituationen können die Töne unter Umständen noch lauter werden. Bei diesem Schweregrad liegen im Normalfall noch keine sozialen oder beruflichen Einschränkungen vor.

 

Nehmen die Ohrgeräusche aber eine Lautstärke an, die als unangenehm empfunden wird, können psychische Symptome und Begleiterkrankungen auftreten. Der Tinnitus kann sich beispielsweise negativ auf den Beruf auswirken, so dass die Qualität der Arbeit nachlässt. Aber auch im privaten Umfeld können Schwierigkeiten in der Beziehung zu Mitmenschen auftreten. Die ständige Begleitung von Tönen führt in manchen Fällen zu einer schlechten mentalen Verfassung, was einen sozialen Rückzug zur Folge hat. In den schlimmsten Fällen ist kein Berufs- oder soziales Leben mehr möglich.

 

Für Tinnitus gibt es kein einheitliches Therapieverfahren. Die Behandlung und die Methoden hängen vom Schweregrad ab. Momentan gibt es noch keine Tinnitus-Medikamente, die die Ohrgeräusche ganz

und langfristig verschwinden lassen. Bei einer schwächeren Form oder beim ersten Auftreten eines Tinnitus werden, wenn notwendig, erst einmal nur durchblutungsfördernde Medikamente verschrieben. Bei chronischem Tinnitus tragen in einigen Fällen die sogenannten Psychopharmaka zur Verbesserung bei, die über ihre Wirkung auf das zentrale (emotionale) Nervensystem die von dort ausgehende Tinnitus-Verstärkung reduzieren beziehungsweise das Leiden mildern können.

 

Die meist etablierte Behandlungsmethode ist die Tinnitus-Retraining-Therapie, die aus verschiedenen Therapiebausteinen besteht. Einer der wichtigsten Inhalte ist eine individuelle psychologische Betreuung, um die Ursachen für den Tinnitus zu ergründen. In den meisten Fällen sind u.a. stressverstärkende Gewohnheiten ein Grund für das Auftreten von Tinnitus. In den Sitzungen werden Strategien entwickelt, um den Stressfaktor zu reduzieren. Entspannungstechniken oder -sport wie Autogenes Training, Yoga oder auch Muskelrelaxation helfen den Betroffenen abzuschalten und sich zu entspannen.

 

Eine weitere Option sind apparative Therapieverfahren wie Rauschgeneratoren, die über mehrere Stunden ein leises Rauschen produzieren. Das Gehirn soll auf diese Weise den Tinnitus als unwichtig einstufen, sich an ihn gewöhnen und aus der bewussten Wahrnehmung verschwinden lassen. Bei einseitig ertaubten Ohren ist die operative Versorgung des Innenohrs mit einem Cochleaimplantat (CI) vielversprechend. Bei gelungener Wiederherstellung des Hörvermögens ist das Ergebnis eine anhaltende Reduktion der Tinnitus-Lautstärke von stark zu schwach. In einigen Fällen können die Geräusche sogar ganz verschwinden. Die Lautstärkenreduktion bei aktiviertem Cochleaimplantat ist stabil und bietet daher eine dauerhafte Linderung.

 

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[1] Deutsche Tinnitus-Liga [2] Österreichische Tinnitus-Liga (ÖTL)

27.02.2015

Schwerhörigkeit durch Lärm:

Hörverlust durch Lärmbelastung betrifft uns alle

von Prof. Dr. med. Robert Mlynski, Universitätsmedizin Rostock, Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie „Otto Körner"

 

Unsere Welt ist nicht still, überall um uns herum sind Geräusche. Während die Laute der Natur selten unangenehm empfunden werden, erzeugt der Mensch eine Kulisse von Lärm. Insbesondere in den Städten belasten brandender Verkehr, Fluglärm oder ohrenbetäubende Baustellenarbeiten unser Gehör. Oft setzen wir uns starken Lärmbelastungen freiwillig aus beispielsweise bei einer Motorsportveranstaltung, einem Rockkonzert oder beim häufigen Musikhören über Kopfhörer. Dauerschallbelastungen oder hohe Geräuschbelastung über einen kurzen oder auch längeren Zeitraum können das Gehör dauerhaft und irreversibel schädigen. Besorgniserregend: Studien haben gezeigt, dass auch immer mehr Schulkinder und junge Erwachsene betroffen sind.

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Laute Musik und Motorengeräusche – enorme Belastungen für das Gehör

Die Haarzellen im Innenohr reagieren sehr sensibel auf Überbelastung und können durch laute Musik oder Motorengeräusche ab 85 bis 90 Dezibel (dB) geschädigt werden. Der schleichende Hörverlust wird zunächst gar nicht bemerkt, was viele Menschen dazu verleitet, Lärmbelastungen nicht ernst zu nehmen.

In der Formel 1 beispielsweise sind Besucher auf den Tribünen zeitweise einem Schalldruck von mehr als 100 dB ausgesetzt. Dies bedeutet eine enorme Belastung für das Gehör. Die Formel 1 Motoren erreichen eine Lautstärke von bis zu 145 dB. Das ist lauter als ein Presslufthammer (110 dB) und überschreitet die Schmerzgrenze deutlich, die bei ungefähr 130 dB liegt. Zum Vergleich: Die erlaubte Lärmschwelle der EU-Kommission für PKW liegt bei maximal 74 dB. Die meisten Autos erzeugen ungefähr 68 bis 70 dB, nur Sportwagen kommen mit 73 dB dem Grenzwert nahe. Kurze, sehr hohe Schallpegelspitzen, wie sie bei der Formel 1 auftreten, können die Haarzellen im Innenohr dauerhaft und irreversibel schädigen. Ein lärmbedingter Hörverlust entsteht besonders in den hohen Tönen. Neben der Schwerhörigkeit können auch unangenehme Ohrgeräusche, ein Tinnitus, auftreten. Ohrgeräusche, die länger als einen Tag auftreten, sollten unbedingt von einem Ohrenarzt untersucht werden.

 

Dieselben Auswirkungen hat auch der leichtsinnige Umgang mit zu lauter Musik. Bei einer über Stunden anhaltenden Belastung des Gehörs mit einem Dauerschallpegel von ca. 90 dB kommt es zur Hörermüdung. Diese Situation tritt beispielsweise bei häufigeren Diskothekenbesuchen auf. Die Haarzellen werden geschädigt, sie können den Schall nicht mehr an das Gehirn weiterleiten, und es entsteht eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die Betroffenen nehmen dann oft nur noch verzerrte oder gedämpfte Töne wahr und haben Probleme, Gesprochenes gut zu verstehen. Ähnliche Folgen hat auch dauerhaftes, lautes Musik Hören mit dem Kopfhörer (85 dB).

 

Wie können Sie Ihr Gehör schützen?

Grundsätzlich sollte versucht werden, den Lärmpegel zu reduzieren – sei es durch das Herunterdrehen der Lautstärkeregler oder durch einen Gehörschutz in Form von Ohrstöpseln oder, noch besser, einen Kapselgehörschutz, wie ihn auch die Teams in der Boxengasse in der Formel 1 verwenden. Dieser wird wie eine Art Kopfhörer über die Ohren gestülpt. Auf diese Weise kann der Zuschauer bzw. Zuhörer mögliche Folgeschäden durch eine hohe Lärmbelastung verhindern.

 

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15.01.2015

Hörverlust im Alter bedeutet nicht das Ende

von Dr. med. Michael Lerch, MBA, Helios-Kliniken Schwerin

 

Derzeit leben weltweit rund 360 Millionen Menschen* mit Hörverlust, darunter ca. 300 Millionen altersbedingt. Mehr als 50 Prozent der Erwachsenen mit mittlerem Hörverlust sind über 65 Jahre alt. Die Altersschwerhörigkeit hat häufig typische Erscheinungsformen. Die Ursachen sind unterschiedlich: Umweltfaktoren oder genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Was viele nicht wissen: Der Verlust an Lebensqualität mit zunehmendem Hörverlust ist vergleichbar mit der nachlassenden Lebensqualität bei einer beginnenden dementiellen Erkrankung. Leider akzeptieren viele Betroffene aber die Tatsache, Gespräche, Musik und die vielen Alltagsgeräusche nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr wahrnehmen zu können.

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Wie macht sich Hörverlust im Alter bemerkbar?

Bei Altersschwerhörigkeit, auch Presbyakusis genannt, können Betroffen zunächst hohe Töne nicht mehr wahrnehmen. Das bedeutet, dass sie feine Konsonanten wie „s“, „f“, „d“ und „t“ kaum unterscheiden. Vor allem in einer lauteren Umgebung fällt das Verstehen schwer, so dass eine Unterhaltung als äußerst anstrengend empfunden wird. Die nachlassende Fähigkeit Informationen zu „hören“, schränkt die eigene Kommunikationsfähigkeit immer mehr ein. Der Wortschatz wird kleiner und die Gespräche und der Kontakt zu Menschen weniger, was letztendlich zu Frustration, Stress oder sogar zu Vereinsamung und Depressionen führen kann. Aufgrund mangelnder Orientierung kommt es außerdem zu Stürzen und Gefahrensituationen werden verzögert wahrgenommen. Deshalb ziehen sich ältere Menschen mit Hörverlust zurück, pflegen soziale Kontakte immer weniger und reduzieren ihren Tagesablauf auf das Notwendigste.

 

Lebensqualität bleibt dank Hörhilfen erhalten  

Ein unbehandelter Hörverlust trifft ältere Menschen besonders stark. Diese Altersgruppe ist häufig unzufrieden mit Hörgeräten und der Meinung, dass es für sie keine bessere Lösung mehr gibt. Vor allem bei einem beidseitigen Hörverlust kommt es in vielen Fällen zu einer deutlichen Abnahme an Lebensqualität im Vergleich zu einer einseitigen Höreinschränkung. Betroffene sind nicht mehr so aufmerksam, sie verarbeiten Gehörtes langsamer, verstehen Zusammenhänge schlecht und haben Wortfindungsprobleme. Dabei sind ältere Menschen, die Hörhilfen verwenden, länger unabhängig und können weiterhin ihrem gewohnten Leben nachgehen. Experten raten daher zur Implantation, wenn Betroffene trotz Hörgeräten kaum mehr Gespräche verstehen oder ein Hörgerät aus medizinischen Gründen nicht tragen können.

 

Auch ältere Generationen profitieren somit von Hörimplantaten. Sie können Gesprächen besser folgen und Geräusche in ihrer Umgebung wahrnehmen, so dass sie auch im Alter eine höhere Lebensqualität haben. Durch eine frühzeitige Versorgung wird außerdem eine längere Taubheitsperiode vermieden, was ein großer Vorteil für die Rehabilitation ist. Denn je besser das Sprachverstehen vor der Operation ist, desto schneller zeichnen sich Fortschritte nach einer Implantation ab.

 

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*WHO (2012).  WHO global estimates on prevalence of hearing loss - Mortality and Burden of Diseases and Prevention of Blindness and Deafness.

 

 


02.10.2014

Musiktherapie: Damit Hören mit CI zum klangvollen Erlebnis wird

von Markus Landwehr, CI-Rehabilitationszentrum Heidelberg

 

Diverse Studien in der kognitiven Forschung zeigen, dass das menschliche Gehirn Musik auf ähnliche Art und Weise wie Sprache verarbeitet. Daraus lässt sich schließen, dass Musik nicht nur auf emotionaler Ebene eine wichtige Rolle spielt, sondern, dass durch musikalisches Training auch das Sprachverstehen und die Kommunikationsfähigkeit gefördert werden können. Seit langem wird Musik deshalb auch in therapeutischen und pädagogischen Bereichen als Fördermittel eingesetzt.

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Vorgehensweise bei einer Musiktherapie 

In Deutschland gibt es verschiedene Anlaufstellen für eine Musiktherapie bei CI-Trägern. Eine davon ist das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM), das ein fester Bestandteil der ambulanten CI-Rehabilitation am CI-Rehabilitationszentrum Heidelberg darstellt. Die Basis des musiktherapeutischen Konzepts bildet die Parallelität von Parametern der Sprache und der Musik. Vor allem Situationen wie das Hören von Musik und der Sprachmelodie sowie Sprache bei Hintergrundlärm, die sich für CI-Träger häufig als unangenehm oder schwierig erweisen. Ziel ist es, die Ausgleichsarbeit zu unterstützen, die die primären und vor allem sekundären Hör- und Assoziationsareale im Gehirn leisten müssen, um die neuen Höreindrücke entschlüsseln und neuronale Verknüpfungen aufbauen zu können. Durch die Konfrontation mit emotionalen Inhalten in der Stimme und die Vernetzung von aktuellen mit früheren Hörerfahrungen, vor allem in Bezug auf Musik, soll das Lernen unterstützt werden. Lockere Übungen und Spaß bei der Therapie helfen dabei, emotionale Barrieren zu überwinden und machen das Hören mit dem CI wieder zu einem klangvollen Erlebnis. Mit einer Musiktherapie kann nach etwa zwei Monate nach der Erstanpassung begonnen werden. Nähere Informationen zum Ablauf und den Rahmenbedingungen einer Therapie sind hier zu finden. 

 

Therapieergebnisse im Alltag vertiefen 

Die Ergebnisse der Musiktherapie können weiter ausgebaut und verbessert werden, wenn der CI-Träger Musik in den Alltag integriert. Begonnen werden sollte mit rein instrumentaler Musik wie z.B. klassische Musik, gefolgt von Tanzmusik mit bekannten Rhythmen. Im weiteren Verlauf kommt Rock- und Popmusik dazu. Letzteres setzt sich aus Text, einem einfachen Rhythmus und einfachen Strukturelementen sowie einigen Wiederholungen zusammen. Zudem stehen der Sänger bzw. die Sängerin mit einer vordergründigen Stimme im Fokus. Um den für das Üben wichtigen Wiedererkennungseffekt zu erhalten, ist es hilfreich, bereits von früher bekannte Lieder zu hören. Machen Sie sich bewusst, dass sich die Musik mit dem CI anders anhört, wie Sie es von früher in Erinnerung haben. Entdecken Sie mit dem CI die Musik neu und akzeptieren Sie einen neuen Klang statt das Gehörte ständig mit den Erinnerungen zu vergleichen. Seien Sie offen für neue Musikrichtungen und gehen Sie auf Entdeckungsreise in die Welt der Musik.

 

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1   Vgl. z.B. Sammler, D. (2009). The neuroanatomical overlap of syntax processing in music and language: Evidence from lesion and intracranial ERP studies. PhD Thesis, Max Planck Institute for Human Cognitive and Brain Sciences, Leipzig.


02.07.2014

FSME und die Folgeschäden: Wie gefährlich sind Zeckenstiche wirklich?

von Prim. Univ. Prof. Dr. Georg Sprinzl, Universitätsklinikum St. Pölten

 

Eine Beeinträchtigung des Gehörs kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Manche Menschen hören von Geburt schlecht oder gar nichts, andere erleiden im Laufe ihres Lebens bedingt durch andauernde Lärmbeschallung oder auch Stress einen Hörverlust. Was jedoch nur wenige wissen: Auch eine FSME-Erkrankung kann unter anderem einen Hörverlust mit sich führen. 

 

 

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Laut Robert-Koch-Institut sind die FSME-Fallzahlen in Deutschland im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. 2013 wurden 400 FSME-Fälle gemeldet, 2012 waren es lediglich 195. Die Hälfte aller in 2013 erfassten Patienten erkrankte schwer an Enzephalitis oder Meningoenzephalitis. Eine FSME-Impfung ist für Kinder und Erwachsene daher gleichermaßen unerlässlich. Dennoch stagnierten die Impfquoten oder gingen sogar zurück. Fast ganz Süddeutschland, Teile Hessens und von Rheinland-Pfalz sowie Teile Österreichs sind FSME-Verbreitungsgebiete. Informationen und eine Karte mit allen Risikoregionen bietet die Homepage des Robert-Koch-Instituts.

 

Nicht jede Zecke trägt FSME-Viren in sich, in den Risikogebieten ist jedoch erhöhte Vorsicht geboten. Was aber macht das Virus so gefährlich? Das FSME-Virus greift das zentrale Nervensystem des Menschen an und kann zu drastischen Langzeitschäden wie Lähmungen der Extremitäten oder auch Hörverlust führen. 
Die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine durch das FSME-Virus ausgelöste Krankheit. Es führt jedoch nicht jeder Stich zu einer Infektion, bei rund 30 % der Infizierten treten Krankheitserscheinungen auf. Da sich Kinder oft dort aufhalten, wo Zecken zu finden sind, sind sie besonders gefährdet und gehören zur Risikogruppe. Die FSME selbst verläuft gerade bei älteren Menschen häufig folgenschwerer. In der Regel durchlebt ein FSME-Patient zwei Stadien während der Krankheit: Im ersten Stadium zeigt ein Betroffener Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Wer Glück hat, hat die Erkrankung nach Abklingen dieser Beschwerden überstanden. Im zweiten Stadium kann das Virus jedoch das zentrale Nervensystem befallen. Es kann zu einer Meningitis, einer sogenannten Hirnhautentzündung oder zu einer Gehirnentzündung kommen. Neben den Symptomen einer Hirnhautentzündung, wie hohem Fieber, Kopfschmerzen oder einem steifen Nacken, können weitere Beschwerden wie Bewusstseins-, Sprach- und Schluckstörungen, psychische Veränderungen oder Teillähmungen am Körper auftreten. Auch wer eine FSME-Infektion überstanden hat, kann mit den Spätfolgen der Erkrankung wie Lähmungserscheinungen, Schwerhörigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit oder anderen Beeinträchtigungen des Nervensystems konfrontiert werden.


Prävention ist der beste Schutz und deshalb hilft es, neben dem klassischen Impfschutz, der allen Erwachsenen sowie Kindern ab sechs Jahren empfohlen wird, die sich häufig in Risikogebieten aufhalten oder ihren Urlaub dort verbringen, einfache Tipps zu befolgen. Ein umfangreiches Informationsangebot zum Thema FSME-Schutz bieten die Seiten des Deutschen Grünen Kreuzes, des Robert-Koch-Instituts oder Zecken.de und Zecken.at.

 

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